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Allianz Trade warnt vor neuer KI-Abhängigkeit Europas im Welthandel

Illustration zu globaler Kuenstlicher Intelligenz
Foto: depositphotos.com

Key takeaways

Allianz Trade sieht durch den weltweiten KI-Boom neue geopolitische Machtverschiebungen im Welthandel. Europa drohe dabei technologisch abhängig zu werden, während die USA und asiatische Staaten zentrale Bereiche der KI-Infrastruktur und Lieferketten dominieren.

Lesezeit ca. 2 Minuten

Künstliche Intelligenz entwickelt sich zunehmend zu einem entscheidenden Machtfaktor im globalen Welthandel. Nach einer aktuellen Analyse des Kreditversicherers Allianz Trade verändert der weltweite KI-Boom nicht nur Technologien, sondern auch Lieferketten, Handelsströme und geopolitische Abhängigkeiten. Besonders Europa droht dabei nach Einschätzung der Studie weiter an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren.

Demnach hat sich der globale Handel mit KI-relevanten Gütern innerhalb eines Jahrzehnts von rund einer Billion auf 3,8 Billionen US-Dollar nahezu vervierfacht. Inzwischen entfallen bereits etwa 15 Prozent des weltweiten Warenhandels auf KI-nahe Produkte, Infrastruktur und Technologien.

Asien dominiert zentrale KI-Wertschöpfung

Laut Allianz Trade kontrollieren asiatische Staaten große Teile der globalen KI-Lieferketten. Besonders Taiwan, Südkorea und China spielen bei Halbleitern, Hochleistungsspeichern und Rechenzentrums-Hardware eine Schlüsselrolle.

Auch die USA bauen ihre technologische Führungsposition weiter aus. Milliardeninvestitionen in Cloud-Infrastruktur, Plattformen und Rechenleistung stärken die Dominanz amerikanischer Technologiekonzerne im internationalen Wettbewerb.

Milo Bogaerts, CEO von Allianz Trade in Deutschland, Österreich und der Schweiz, sieht darin eine grundlegende Verschiebung wirtschaftlicher Machtverhältnisse. Wer künftig Chips, Dateninfrastruktur und Rechenzentren kontrolliere, beeinflusse zunehmend auch globale Warenströme und Wertschöpfungsketten.

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Europa droht digitale Abhängigkeit

Besonders kritisch bewertet die Studie die Position Europas. Die operative Rechenzentrums-Kapazität in Europa liege derzeit deutlich unter dem Niveau der USA. Gleichzeitig wachse die Abhängigkeit von amerikanischen Cloud- und Plattformanbietern weiter.

Nach Angaben von Allianz Trade kontrollieren US-Hyperscaler bereits heute große Teile der europäischen Daten- und Cloud-Infrastruktur. Mit dem steigenden Einsatz von KI-Anwendungen könnten künftig jährlich Milliardenbeträge aus Europa an amerikanische Technologieunternehmen fließen.

Bogaerts warnt deshalb davor, dass Europa und Deutschland zunehmend vom Industriestandort zum „digitalen Mieter“ werden könnten. Vor allem deutsche Unternehmen seien in den wachstumsstärksten KI-Segmenten bislang nur begrenzt vertreten. Gleichzeitig sieht Allianz Trade jedoch weiterhin Potenzial für neue Geschäftsmodelle und Anwendungen.

Lieferketten werden geopolitisch sensibler

Die Studie verweist zudem auf die steigenden geopolitischen Risiken rund um KI-Technologien. Die starke Konzentration der Produktion auf wenige Regionen mache Lieferketten anfällig für politische Konflikte, Sanktionen oder Handelsbeschränkungen.

Bereits heute verschärfen Exportkontrollen, staatliche Förderprogramme und Technologie-Sanktionen den internationalen Wettbewerb. Nach Angaben von Allianz Trade existieren weltweit inzwischen mehr als 3.600 industriepolitische Maßnahmen im Zusammenhang mit KI-Technologien.

Zudem hätten geopolitische Spannungen zuletzt auch zu deutlichen Preissteigerungen bei Speicherchips geführt. Damit werde sichtbar, wie eng technologische Infrastruktur und globale Krisen inzwischen miteinander verknüpft seien.

Welthandel steht vor strukturellem Wandel

Nach Einschätzung der Studie verändert sich der internationale Handel grundlegend. Reine Kosteneffizienz verliere zunehmend an Bedeutung. Stattdessen rückten resiliente Lieferketten, technologische Souveränität und politische Stabilität stärker in den Mittelpunkt strategischer Entscheidungen.

Allianz Trade erwartet deshalb, dass Unternehmen ihre Risiko- und Technologiepolitik künftig deutlich stärker an geopolitischen Entwicklungen ausrichten müssen. Die Phase einer ausschließlich effizienzgetriebenen Globalisierung gehe zunehmend zu Ende.

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