Chinas Sportartikelhersteller Anta Sports hat einem Medienbericht zufolge ein Angebot zum Kauf von 29 Prozent der Anteile am deutschen Sportmodeunternehmen Puma unterbreitet. Diese Beteiligung gehört der französischen Pinault-Familie und wird über deren Holdinggesellschaft Artemis gehalten. Mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen berichten gegenüber Reuters, dass das Angebot bereits vor einigen Wochen eingereicht wurde und Anta die Finanzierung gesichert hat. Der Verhandlungsprozess ist laut Insidern jedoch derzeit ins Stocken geraten.
Artemis erwartet höheren Preis
Artemis, unter der Leitung von François-Henri Pinault, hatte ursprünglich einen Preis von mehr als 40 Euro pro Aktie erwartet. Aktuell notiert die Puma-Aktie jedoch bei lediglich 24,60 Euro – ein Plus von 9 Prozent im Anschluss an die Reuters-Meldung, aber immer noch deutlich unter dem Wunschpreis der Eigentümer. Der aktuelle Börsenwert von Puma beträgt rund 3,3 Milliarden Euro (ca. 3,85 Milliarden US-Dollar), was etwa 50 Prozent unter dem Vorjahreswert liegt.
Die Beteiligung gilt innerhalb der Pinault-Holding längst als nicht-strategisch. Diese hatte Puma 2018 von Kering übernommen, als der Luxuskonzern seine Ausrichtung auf High-End-Marken wie Gucci verstärkte. In den letzten Monaten war spekuliert worden, ob sich Artemis von der Beteiligung trennen könnte, insbesondere angesichts der hohen Schuldenlast durch andere Investments wie das Auktionshaus Christie’s oder die Agentur CAA.
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Antas Strategie: Marken stärken, nicht zerschlagen
Anta Sports verfolgt seit Jahren eine aggressive Expansionsstrategie außerhalb Chinas. Bereits 2019 übernahm das Unternehmen zusammen mit Partnern den finnischen Sportartikelkonzern Amer Sports, zu dem Marken wie Wilson und Salomon gehören. 2015 wurde schließlich Jack Wolfskin von Topgolf übernommen. Anta ist bekannt dafür, westliche Marken nicht nur zu übernehmen, sondern auch gezielt zu modernisieren und zu stärken.
Analysten sehen in einem möglichen Einstieg von Anta eine positive Entwicklung für Puma. Die neue Eigentümerstruktur könnte Investments in die Marke fördern und die vom neuen CEO Arthur Hoeld eingeleitete Transformation unterstützen. Hoeld hatte im Oktober einen neuen Turnaround-Plan vorgestellt, nachdem die Resonanz auf neue Sneaker-Modelle wie den Speedcat hinter den Erwartungen zurückblieb und die Umsätze stark unter Druck geraten waren.
Noch ist unklar, ob Artemis sich tatsächlich zum Verkauf entschließen wird. Doch der zunehmende Druck durch den Kapitalmarkt und schwächelnde Luxusgeschäfte könnten den Entscheidungsprozess beschleunigen.


