Deutschland ist im europäischen Arbeitskostenvergleich 2025 um zwei Positionen zurückgefallen. Mit durchschnittlich 45,70 Euro je Arbeitsstunde in der Privatwirtschaft belegt die Bundesrepublik nach einer Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) Rang sieben unter den EU-Staaten. Im Vorjahr lag Deutschland noch auf Platz fünf.
Der Positionsverlust geht nicht auf überdurchschnittliche Kostensteigerungen zurück. Im Gegenteil: Die deutschen Arbeitskosten erhöhten sich 2025 lediglich um 3,4 Prozent, während der EU-Durchschnitt bei 4,3 Prozent lag. Damit verzeichnete Deutschland den fünftniedrigsten Anstieg unter den 27 Mitgliedstaaten.
Schweden und Niederlande ziehen an Deutschland vorbei
Mit stärkeren Zuwächsen haben sich Schweden mit Arbeitskosten von 46,60 Euro und die Niederlande mit 46,20 Euro je Stunde vor Deutschland geschoben. Österreich liegt mit 46,30 Euro ebenfalls höher. An der europäischen Spitze stehen Luxemburg, Dänemark und Belgien mit Werten zwischen 56,20 und 49,70 Euro. Frankreich folgt hinter Deutschland mit 44,70 Euro.
Besonders moderat entwickelte sich die deutsche Industrie. Dort erhöhten sich die Arbeitskosten 2025 um lediglich zwei Prozent – der niedrigste Zuwachs aller EU-Staaten in diesem Wirtschaftsbereich. Insgesamt hat sich die Dynamik gegenüber den Jahren abgeschwächt, in denen höhere Löhne teilweise die Kaufkraftverluste der Inflationswelle ausglichen.
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Osteuropa verzeichnet deutlich höhere Zuwächse
In Süd- und Osteuropa bleiben die absoluten Arbeitskosten zwar deutlich niedriger, die Wachstumsraten liegen jedoch vielfach erheblich über dem deutschen Niveau. In Bulgarien betrug der Anstieg 13,1 Prozent, in Rumänien 10,6 Prozent und in Polen zehn Prozent. Tschechien kam auf 9,6 Prozent, Ungarn auf 7,7 Prozent und die Slowakei auf 6,8 Prozent.
Damit verringern sich die Unterschiede bei den Arbeitskosten innerhalb Europas zumindest teilweise. Gleichzeitig widersprechen die Zahlen nach Einschätzung des IMK der These, stark steigende deutsche Arbeitskosten seien der entscheidende Grund für die gegenwärtigen Wettbewerbsprobleme.
Schwache Produktivität treibt Lohnstückkosten
Die deutschen Lohnstückkosten sind seit 2023 deutlich stärker gestiegen als in früheren Jahren. Langfristig ergibt sich jedoch ein anderes Bild: Seit 2000 betrug der durchschnittliche jährliche Zuwachs 1,9 Prozent und lag damit knapp unter dem Inflationsziel der Europäischen Zentralbank.
Als wesentliche Ursache der jüngsten Entwicklung identifiziert das IMK die schwache Produktivität. Bei den Lohnstückkosten werden Arbeitskosten ins Verhältnis zur Produktivität gesetzt. Unternehmen hielten trotz schwacher Nachfrage und geringer Auslastung lange vergleichsweise stark an ihren Beschäftigten fest. Das kann angesichts des Fachkräftebedarfs sinnvoll sein, belastet bei einer lang anhaltenden Wirtschaftsschwäche jedoch rechnerisch die Produktivität.
Auch der Strukturwandel von der Industrie zu Dienstleistungen wirkt laut Studie dämpfend, sein bisheriger Einfluss wird allerdings als begrenzt eingeschätzt.
IMK sieht Defizite bei Digitalinvestitionen
Größeres Gewicht misst das Institut der schwachen Kapitalbildung bei Informations- und Kommunikationstechnologien bei. Deutschland investiere sowohl gegenüber den USA als auch gegenüber vergleichbaren EU-Ländern zu wenig in Digitalisierung und Zukunftstechnologien. Das Problem betreffe nicht nur die öffentliche Infrastruktur, sondern auch Unternehmen.
Die Forschenden sehen deshalb Investitionen als wichtigen Hebel für höhere Produktivität. Besonders große Effekte erwarten sie von breit angelegten Digitalisierungsinvestitionen. Die Qualität und Menge der Arbeit habe dagegen einen moderaten und konstant positiven Beitrag zur Produktivitätsentwicklung geleistet.
Lohnzurückhaltung könnte Nachfrage zusätzlich schwächen
Forderungen nach einer stärkeren Begrenzung von Löhnen oder einem Abbau sozialer Leistungen beurteilt das IMK kritisch. Eine zusätzliche Dämpfung der Arbeitskosten verspreche lediglich begrenzte positive Wirkungen für die wirtschaftliche Erholung.
Gleichzeitig könnte schwächeres Einkommenswachstum den privaten Konsum weiter belasten und damit die ohnehin geringe Nachfrage zusätzlich bremsen. Aus Sicht der Forschenden liegt ein zentraler Ansatzpunkt für eine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit daher weniger bei niedrigeren Arbeitskosten als bei höheren Investitionen und einer stärkeren Produktivitätsentwicklung.






