Zwischen Unternehmensvorständen und Aufsichtsgremien entstehen beim Thema Künstliche Intelligenz zunehmend Spannungen. Laut einer aktuellen Studie der Boston Consulting Group halten 61 Prozent der CEOs das Tempo ihrer Boards bei der KI-Transformation für zu hoch. Zwar herrscht weitgehend Einigkeit über die strategische Bedeutung von KI, bei Umsetzung und Erwartungen zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede.
Boards drängen auf schnellere KI-Einführung
Für die Untersuchung befragte BCG weltweit 625 Führungskräfte, darunter 351 CEOs und 274 Board-Mitglieder aus Unternehmen mit mindestens 100 Millionen US-Dollar Jahresumsatz.
Die Ergebnisse zeigen, dass Aufsichtsgremien häufiger auf eine beschleunigte Einführung von KI-Technologien drängen, während CEOs vorsichtiger agieren. Laut Studie hängt dies teilweise mit Unsicherheiten und dem Druck zusammen, technologische Entwicklungen nicht zu verpassen.
Besonders auffällig: Board-Mitglieder mit geringerer Sicherheit in ihrem eigenen KI-Wissen bewerten die Geschwindigkeit der Transformation häufiger als zu langsam.
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CEOs zweifeln an KI-Kompetenz der Boards
Obwohl drei Viertel der befragten Board-Mitglieder ihre KI-Kenntnisse als ausreichend oder fortgeschritten einschätzen, sehen viele CEOs deutliche Wissenslücken. Fast 40 Prozent der Unternehmenschefs sind der Ansicht, dass ihre Boards die Auswirkungen von KI auf Wachstumsstrategien nicht ausreichend verstehen.
Zudem sagen rund ein Drittel der CEOs, dass Aufsichtsräte überschätzen, welche menschlichen Fähigkeiten durch KI ersetzt werden können. Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmenslenker sieht außerdem die Gefahr, dass der KI-Hype zu Fehlentscheidungen in den Führungsgremien führt.
Unterschiedliche Erwartungen beim KI-Erfolg
Die Studie zeigt auch Unterschiede bei der Bewertung des wirtschaftlichen Drucks rund um KI-Investitionen. CEOs gehen davon aus, dass rund 35 Prozent ihrer Leistungsbewertung vom Erfolg ihrer KI-Strategie abhängen. Die Boards schätzen diesen Anteil dagegen nur auf 27 Prozent.
Dadurch entsteht laut BCG eine Diskrepanz zwischen tatsächlicher Verantwortung und den Erwartungen der Kontrollgremien. Viele CEOs sehen sich unter höherem Druck, kurzfristige Ergebnisse bei KI-Projekten zu liefern.
KI-Wissen wird zum Führungsfaktor
Trotz der unterschiedlichen Sichtweisen stimmen beide Gruppen in einem Punkt weitgehend überein: Die KI-Kompetenz auf Führungsebene muss deutlich steigen. Rund 80 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, dass künftige Board-Mitglieder nachweisbare Kenntnisse über die Auswirkungen von KI auf ihre Branche mitbringen sollten.
BCG empfiehlt deshalb eine engere Zusammenarbeit zwischen CEOs und Boards bei der Weiterbildung im Bereich Künstliche Intelligenz. Ziel sei es, nicht nur oberflächliches Verständnis zu schaffen, sondern konkrete Wettbewerbsvorteile und realistische Einsatzmöglichkeiten von KI besser einschätzen zu können.




