Shein erwartet Berichten nach in diesem Jahr einen Gewinnsprung auf rund 2 Milliarden US-Dollar – doppelt so viel wie im Vorjahr. Möglich macht das eine Kombination aus höheren Preisen für Endkunden, gesenkten Werbeausgaben und einer weitgehend konkurrenzfreien Phase im US-Markt. Damit bleibt die chinesische Plattform auf Wachstumskurs, obwohl sie gleichzeitig mit regulatorischen und ethischen Herausforderungen zu kämpfen hat.
Gewinnsteigerung trotz Zollschraube
Laut Bloomberg verzeichnete Shein ein besonders starkes erstes Quartal mit einem Umsatz von über 10 Milliarden US-Dollar und einem Quartalsgewinn von über 400 Millionen US-Dollar. Ausschlaggebend war unter anderem ein Vorzieheffekt beim Einkauf: US-Kunden bestellten vermehrt Kleidung, bevor die steuerliche „de-minimis“-Ausnahmeregelung von Donald Trump gestrichen wurde.
Um die steigenden US-Zölle zu kompensieren, hat Shein seine Produktpreise erhöht – ein Schritt, der die Gewinnmargen trotz höherer Belastung stabil hielt. Die Plattform hat außerdem ihre typischerweise aggressiven Marketingausgaben reduziert. Zugleich profitierte sie von der Sommerpause ihres Hauptkonkurrenten Temu, der seine Aktivitäten und Werbebudgets im US-Markt zwischenzeitlich stark zurückfuhr.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Wachstum unter Druck
Trotz der positiven Finanzzahlen sieht sich Shein aktuell mit massiver Kritik konfrontiert. In Frankreich läuft ein Verfahren zur möglichen Suspendierung der Plattform, nachdem dort sexuell anstößige Produkte entdeckt wurden, darunter Puppen mit kindlichem Erscheinungsbild. Medienwirksam wurden zudem gestern hunderttausende Pakete an französischen Flughäfen kontrolliert. Brisant ist dies vor dem Hintergrund der sogenannten „Anti-Shein-Gesetzgebung“, mit der Frankreich große, ausländische Onlinehändler stärker regulieren will.
Gleichzeitig versucht Shein, seine geplante Börsennotierung im Ausland voranzutreiben – bislang jedoch ohne grünes Licht aus Peking. Obwohl der Firmensitz offiziell in Singapur liegt, unterliegt Shein weiterhin den Prüfregeln der chinesischen Börsenaufsicht, da das Unternehmen wesentliche operative Verbindungen nach China unterhält.
Expansion in Frankreich trotz Gegenwind
Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte Shein mit der Eröffnung seines ersten stationären Geschäfts in Frankreich – ausgerechnet in einem Land, das sich regulatorisch gegen die Marktmacht der Plattform positioniert. Die Expansion ins stationäre Geschäft kann als Versuch gewertet werden, sich stärker als verlässlicher Akteur auf dem europäischen Markt zu etablieren – trotz aller politischen Spannungen.


