Deutschlands größter Journalistenverband DJV appelliert an die Investoren des Medienkonzerns ProSiebenSat.1, ihre Anteile nicht an den italienischen TV-Konzern MFE-MediaForEurope zu verkaufen. Die Organisation warnt in einem Statement vor einem möglichen Rechtsruck im deutschen Privatfernsehen und kritisiert den Einfluss des Berlusconi-Clans.
Warnung vor populistischer Einflussnahme
„Es liegt in den Händen der Anteilseigner, Arbeitsplätze zu sichern und eine inhaltliche Radikalisierung zu verhindern“, sagte DJV-Vorsitzender Mika Beuster. MFE, das dem Familienimperium des verstorbenen italienischen Ex-Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi gehört, sei dabei, systematisch Einfluss auf ProSiebenSat.1 zu gewinnen – mit dem Ziel, ein gesamteuropäisches Fernsehnetzwerk als Gegengewicht zu US-Streamingplattformen aufzubauen.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Management lenkt nach Angebotserhöhung ein
Noch vor wenigen Wochen hatte sich das ProSieben-Management gegen die Übernahmepläne ausgesprochen. Nachdem MFE Anfang August jedoch eine verbesserte Offerte vorgelegt hatte, gaben Vorstand und Aufsichtsrat ihre ablehnende Haltung auf. Das neue Angebot bewertet den deutschen Senderverbund mit rund 1,8 Milliarden Euro und verspricht Einsparungen von bis zu 150 Millionen Euro jährlich.
Politische Bedenken und kulturelle Souveränität
In Berlin stößt die mögliche Einflussnahme auf medienpolitische Bedenken. Kulturminister Wolfram Weimer äußerte bereits im Juli, dass die redaktionelle Unabhängigkeit von ProSiebenSat.1 gewahrt bleiben müsse. Er kündigte an, mit Pier Silvio Berlusconi, dem Sohn des verstorbenen Politikers und MFE-Chef, das Gespräch zu suchen.
MFE noch ohne Mehrheit
Laut MFE erreichte der Konzern bis zum Ende der ersten Annahmefrist einen Anteil von 43,6 % an ProSiebenSat.1 – und verpasste damit knapp die angestrebte Mehrheit. Dennoch setzt MFE auf weitere Zukäufe in den kommenden Wochen. Eine vollständige Übernahme könnte den Einfluss auf Inhalte und Programmausrichtung massiv verändern.


