Der rapide technologische Wandel, geopolitische Unsicherheiten und neue regulatorische Anforderungen prägen laut Gartner die Cybersicherheitsagenda für 2026. Die Analysten beobachten, dass Unternehmen stärker denn je gefordert sind, Risiken neu zu bewerten, ihre Resilienz auszubauen und Sicherheitsstrategien an eine dynamische Bedrohungslage anzupassen. Zugleich verändert der beschleunigte Einsatz von KI und Automatisierung nahezu alle sicherheitsrelevanten Unternehmensprozesse.
Agentic AI schafft neue Angriffsflächen
Gartner sieht einen deutlichen Anstieg beim Einsatz von Agentic AI, also KI-Agenten, die autonom Aufgaben ausführen und Entscheidungen treffen. Mitarbeitende und Entwickler nutzen verstärkt Low-Code- und No-Code-Lösungen, was zu einer unkontrollierten Verbreitung solcher Agenten führt. Dies erhöht die Risiken durch unsaubere Implementierungen, unsicheren Code und mögliche Verstöße gegen regulatorische Vorgaben. Gartner empfiehlt deshalb, sowohl genehmigte als auch nicht genehmigte KI-Agenten zu identifizieren, klare Kontrollmechanismen einzuführen und Incident-Response-Pläne speziell für KI-basierte Störungen zu entwickeln.
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Regulatorische Unsicherheit verändert Risikomanagement
Die geopolitische Lage und sich wandelnde internationale Vorschriften setzen Unternehmen zusätzlich unter Druck. Vorstände und Führungskräfte werden stärker in die Verantwortung genommen, wenn Compliance-Anforderungen nicht erfüllt werden. Gartner rät, die Zusammenarbeit zwischen Recht, Einkauf und Geschäftsführung zu institutionalisieren und Kontrollrahmen an etablierte Standards anzupassen. Eine stärkere Berücksichtigung von Datenhoheit und länderübergreifenden Vorgaben soll helfen, potenzielle Lücken zu schließen.
Vorbereitung auf Postquantum-Ära gewinnt an Bedeutung
Da Fortschritte in der Quantenentwicklung klassische asymmetrische Kryptografie bis 2030 potenziell obsolet machen könnten, wächst die Dringlichkeit, Postquantum-Kryptografie in bestehende Sicherheitsstrategien zu integrieren. Gartner warnt, dass „Harvest-now-decrypt-later“-Angriffe insbesondere langfristig sensible Daten gefährden. Unternehmen sollen daher ihre Verschlüsselungsverfahren analysieren, Migrationswege definieren und ihre Systeme kryptografisch agil gestalten.
Identity- und Access-Management muss sich an KI-Agenten anpassen
Mit zunehmender Zahl autonomer Agenten geraten traditionelle IAM-Konzepte unter Druck. Herausforderungen entstehen insbesondere bei der Registrierung maschineller Identitäten, der automatisierten Vergabe von Berechtigungen und der Durchsetzung von Richtlinien für nicht-menschliche Nutzer. Gartner empfiehlt einen risikobasierten Ansatz, der gezielt dort investiert, wo Sicherheits- und Compliance-Risiken am höchsten sind. Automatisierung soll helfen, Komplexität zu reduzieren und Innovationsprozesse nicht auszubremsen.
KI verändert operative Sicherheitsprozesse
Der Trend zu KI-gestützten Security-Operations-Centern (SOCs) bringt Effizienzgewinne, aber auch neue operative Belastungen. Während Plattformen für eine schnellere Analyse und Bearbeitung von Warnmeldungen sorgen, steigen gleichzeitig Anforderungen an Weiterbildung, kompetenzbasiertes Staffing und Kostenkontrolle. Gartner betont die Notwendigkeit, „Human-in-the-loop“-Modelle zu etablieren, um KI-gestützte Prozesse verantwortungsvoll und stabil zu gestalten.
GenAI fordert neue Awareness-Konzepte
Klassische Awareness-Trainings zeigen laut Gartner zunehmend geringere Wirkung, insbesondere da viele Beschäftigte generative KI-Tools privat nutzen und dabei unbewusst sensible Informationen verarbeiten. Eine interne Befragung ergab, dass über die Hälfte der Mitarbeitenden private GenAI-Konten für berufliche Aufgaben einsetzt. Gartner empfiehlt adaptive Trainingsprogramme, die KI-spezifische Risiken vermitteln, sowie Governance-Regeln für autorisierte Nutzung, um Datenschutz- und IP-Verluste zu vermeiden.


