Die Mehrheit der gesetzlich Versicherten in Deutschland befürwortet höhere Steuern auf Alkohol, Tabak und zuckerhaltige Produkte, um die finanzielle Lage der gesetzlichen Krankenkassen zu stabilisieren. Das zeigt eine aktuelle Deloitte-Befragung unter mehr als 900 gesetzlich Versicherten.
Hohe Zustimmung für Präventionssteuern
Besonders groß ist die Zustimmung zu höheren Abgaben auf Spirituosen. Zwei Drittel der Befragten halten eine Anhebung der Alkoholsteuer für sinnvoll, um steigende Krankenkassenbeiträge zu begrenzen. Auch eine höhere Tabaksteuer stößt mit 59 Prozent auf breite Unterstützung.
Mehr als die Hälfte der Teilnehmer spricht sich zudem für eine Steuer auf zuckergesüßte Getränke aus. Darüber hinaus befürworten viele Versicherte eine Ausweitung solcher Maßnahmen auf weitere Produkte. So unterstützen 64 Prozent höhere Steuern auf Bier und Wein, während 53 Prozent auch eine Besteuerung zuckerhaltiger Lebensmittel wie Süßigkeiten sinnvoll finden.
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Skepsis gegenüber höheren Eigenbeteiligungen
Deutlich kritischer werden dagegen Maßnahmen bewertet, die Versicherte direkt finanziell stärker belasten würden. Eine Erhöhung von Zuzahlungen oder geringere Zuschüsse beim Zahnersatz lehnen große Mehrheiten ab.
Nach Angaben der Studie halten 84 Prozent höhere Patientenzuzahlungen für wenig oder gar nicht geeignet, um die Beiträge stabil zu halten. Ähnlich kritisch sehen die Befragten Kürzungen beim Zahnersatz.
Auch die Bereitschaft, zusätzliche private Krankenversicherungen abzuschließen, bleibt begrenzt. Zwar zeigen sich einzelne Versicherte offener für ergänzende Policen, insgesamt hat sich das Verhalten der Mehrheit jedoch bislang kaum verändert.
Mehrheit rechnet mit steigenden Beiträgen
Die Erwartungen an die finanzielle Entwicklung des Gesundheitssystems fallen überwiegend pessimistisch aus. 77 Prozent der gesetzlich Versicherten gehen davon aus, dass die Krankenkassenbeiträge kurzfristig weiter steigen werden.
Mittelfristig rechnen sogar 84 Prozent mit höheren Beiträgen. Gleichzeitig erwarten viele Befragte keine bessere Versorgung. Fast jeder Zweite geht davon aus, dass sich die Qualität der Gesundheitsversorgung in den kommenden ein bis zwei Jahren verschlechtern wird.
Gesundheitspolitik gewinnt an Bedeutung
Für viele Versicherte zählt die Gesundheitspolitik inzwischen zu den wichtigsten politischen Themenfeldern. Laut Deloitte nennen 41 Prozent der Befragten Gesundheitspolitik als eines der drei wichtigsten gesellschaftlichen Themen.
Noch häufiger genannt wird lediglich der Bereich soziale Sicherung, Familie und Rente. Themen wie Wirtschaft, Arbeit sowie außen- und sicherheitspolitische Fragen folgen dahinter.
Deloitte sieht neben Strukturreformen vor allem Digitalisierung und Bürokratieabbau als entscheidend an, um die langfristige Finanzierung und das Vertrauen in das Gesundheitssystem zu sichern.



