Der Wettbewerbsdruck durch chinesische Anbieter nimmt für deutsche Unternehmen deutlich zu. Nach einer Sonderumfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) unter rund 1.300 Betrieben berichten zwei Drittel von einer wachsenden Konkurrenz. 35 Prozent bewerten den Druck bereits als stark oder sehr stark.
Besonders betroffen ist die Industrie. Dort nehmen 83 Prozent der befragten Unternehmen eine zunehmende Konkurrenz wahr, jedes zweite Industrieunternehmen bezeichnet den Wettbewerbsdruck als stark oder sehr stark. Im Handel sind 73 Prozent mit einer Verschärfung konfrontiert.
China-Geschäft erhöht den Wettbewerbsdruck
Unternehmen mit eigenen Investitionen oder Standorten in China sind besonders stark betroffen. Von ihnen berichten 88 Prozent über Wettbewerbsdruck, bei China-Exporteuren sind es 86 Prozent und bei Importeuren 82 Prozent.
Doch die Konkurrenz erreicht längst auch Unternehmen ohne direkte Geschäftsbeziehungen zur Volksrepublik. In dieser Gruppe nehmen 38 Prozent einen zunehmenden Wettbewerbsdruck durch chinesische Anbieter wahr. Industrieunternehmen spüren ihn insbesondere im EU-Binnenmarkt, Handelsunternehmen vor allem in Deutschland.
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Unternehmen setzen auf Innovation statt Rückzug
Die Mehrheit reagiert mit Anpassungen des eigenen Geschäfts. 60 Prozent wollen ihre Wettbewerbsfähigkeit durch Produktinnovationen verbessern, 50 Prozent setzen auf Kostensenkungen und 39 Prozent suchen verstärkt nach neuen Absatzmärkten.
Auch Kooperationen bleiben relevant: 31 Prozent arbeiten mit chinesischen Partnern zusammen. Eine Verlagerung von Investitionen erwägen 19 Prozent, bei bereits in China engagierten Unternehmen sind es 38 Prozent. Ein Rückzug aus bisherigen Geschäftsfeldern kommt dagegen lediglich für 12 Prozent infrage.
Mehrheit fordert geschlossenes Vorgehen der EU
Von der europäischen Politik erwarten die Unternehmen vor allem ein gemeinsames Vorgehen. 67 Prozent sprechen sich für ein geschlossenes außenwirtschaftliches Auftreten der EU gegenüber China aus, 60 Prozent wollen strategische Abhängigkeiten reduzieren.
49 Prozent befürworten einen Ausschluss chinesischer Unternehmen von kritischer Infrastruktur. Eine stärkere Begrenzung des Zugangs zum EU-Binnenmarkt unterstützen dagegen 36 Prozent. Unter Unternehmen, die dort bereits chinesischen Wettbewerbsdruck erleben, steigt dieser Anteil auf 42 Prozent.
Handelspolitische Maßnahmen finden Unterstützung
Insgesamt 55 Prozent der befragten Unternehmen befürworten stärkere handelspolitische Maßnahmen gegenüber China oder stimmen ihnen eher zu. Das gilt ausdrücklich auch für den Fall, dass daraus negative Folgen für das eigene Unternehmen entstehen könnten. 37 Prozent lehnen ein solches Vorgehen eher oder vollständig ab.
In der Industrie liegt die Zustimmung zu handelspolitischen Eingriffen bei 59 Prozent, im Handel bei 51 Prozent. Unternehmen mit eigenen Investitionen oder Standorten in China zeigen sich mit 49 Prozent zurückhaltender.
Standortkosten verschärfen den Konkurrenzkampf
Die Unternehmen führen ihre Wettbewerbsprobleme nicht ausschließlich auf China zurück. In den Rückmeldungen werden auch hohe Energie- und Arbeitskosten sowie umfangreiche europäische Regulierung als Belastungen genannt. Gleichzeitig haben chinesische Hersteller aus Sicht der Befragten technologisch und qualitativ aufgeholt.
Weitere Kritikpunkte betreffen Subventionen, den Wechselkurs des Renminbi, den Zugang zu kritischen Rohstoffen sowie den Schutz geistigen Eigentums. Gleichzeitig bleibt China für viele deutsche Unternehmen ein wichtiger Produktions- und Beschaffungsstandort, dessen günstige Vorprodukte und Produktionsbedingungen zur eigenen Wettbewerbsfähigkeit beitragen.





