Der Vorschlag der EU-Kommission für eine einheitliche europäische Unternehmensform stößt in der deutschen Wirtschaft auf breite Zustimmung. Mit dem sogenannten „28. Regime“ und der geplanten Rechtsform „EU Inc.“ sollen Gründungen im Binnenmarkt deutlich vereinfacht und beschleunigt werden.
Einheitliche Gründung in 48 Stunden
Kern des Vorhabens ist die Einführung einer europaweit gültigen Gesellschaft mit beschränkter Haftung, die vollständig digital und innerhalb von 48 Stunden gegründet werden kann. Damit will die EU bürokratische Hürden abbauen und die Attraktivität des Binnenmarkts für Unternehmensgründungen erhöhen.
Aus Sicht der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) könnte die neue Rechtsform einen spürbaren Impuls für mehr Unternehmertum geben. Insbesondere die Vereinheitlichung von Regeln über Ländergrenzen hinweg gilt als entscheidender Vorteil für Unternehmen mit internationaler Ausrichtung.
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Lehren aus gescheiterten Vorgängern
Frühere Versuche, eine europäische Gesellschaftsform zu etablieren, waren gescheitert. Vor diesem Hintergrund betont die Wirtschaft die Bedeutung einer praxisnahen Umsetzung. Die neue Struktur müsse einfach zugänglich und breit nutzbar sein, um Akzeptanz zu finden.
Fokus auf Mittelstand und Praxisnähe
Die geplante Rechtsform soll freiwillig sein und sowohl neuen als auch bestehenden Unternehmen offenstehen. Besonders für kleine und mittlere Unternehmen wird eine Vereinfachung von Gründung, Wachstum und grenzüberschreitender Tätigkeit erwartet.
Gleichzeitig warnt die DIHK vor zusätzlichen Sonderregelungen, etwa für bestimmte Branchen oder Unternehmensarten. Solche Differenzierungen könnten neue bürokratische Hürden schaffen und die angestrebte Vereinfachung konterkarieren.
Balance zwischen Regulierung und Vereinfachung
Nach Einschätzung der Wirtschaft sind lediglich grundlegende Regelungen notwendig, um Rechtssicherheit zu gewährleisten. Eine Überregulierung – etwa durch komplexe Vorgaben im Arbeits-, Insolvenz- oder Finanzierungsrecht – könnte das Projekt gefährden.
Politischer Zeitdruck und Signalwirkung
Die geplante Verabschiedung bis Ende des Jahres unterstreicht den politischen Willen, den europäischen Binnenmarkt zu stärken. Das „28. Regime“ wird als Signalprojekt gesehen, das die Wettbewerbsfähigkeit Europas nachhaltig verbessern könnte.
Wettbewerb mit nationalen Rechtsformen
Entscheidend für den Erfolg wird sein, dass die neue EU-Gesellschaft im fairen Wettbewerb mit bestehenden nationalen Rechtsformen steht. Nur wenn Unternehmen echte Vorteile erkennen, wird sich die EU Inc. langfristig etablieren.
Insgesamt zeigt sich: Die Erwartungen an die neue Rechtsform sind hoch. Gelingt eine einfache und praxisnahe Umsetzung, könnte sie zu einem wichtigen Baustein für mehr Dynamik im europäischen Binnenmarkt werden.


