Haushalte im Euroraum verfügen über hohe Ersparnisse, investieren diese aber vergleichsweise selten am Kapitalmarkt. Nach Angaben der Europäischen Zentralbank liegen rund zehn Billionen Euro in Bargeld und niedrig verzinsten Bankeinlagen. Gleichzeitig besitzen etwa 80 Prozent der Haushalte weder Aktien noch andere marktbasierte Finanzinstrumente.
Im Vergleich zu den USA ist die Zurückhaltung besonders deutlich. Während US-Haushalte nur rund elf Prozent ihrer Finanzanlagen als Einlagen halten, liegt der Anteil im Euroraum bei etwa einem Drittel. Selbst vermögende europäische Haushalte investieren deutlich seltener in Aktien, Anleihen oder Fonds.
Vermögende Europäer investieren seltener als US-Haushalte
Bei den vermögendsten 20 Prozent der US-Haushalte besitzen mehr als 65 Prozent börsennotierte Aktien, Anleihen oder Investmentfonds. Im Euroraum liegt der entsprechende Anteil unter 45 Prozent.
Die EZB sieht darin einen Hinweis darauf, dass fehlendes Kapital allein die geringe Beteiligung nicht erklärt. Auch Anlagegewohnheiten, Produktangebot, Rentensysteme und institutionelle Unterschiede beeinflussen die Entscheidung.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Vier Haushaltstypen prägen das Sparverhalten
Eine Auswertung der Haushaltsdaten unterscheidet vier Gruppen. Mehr als 60 Prozent der Haushalte halten den größten Teil ihres Vermögens in Immobilien. Rund ein Viertel setzt überwiegend auf Bankeinlagen, während etwa zehn Prozent vor allem über Renten- und Versicherungsprodukte am Kapitalmarkt beteiligt sind.
Nur rund vier Prozent investieren einen größeren Teil ihres Vermögens direkt in Aktien, Anleihen, Fonds oder ETFs. Die Gruppen unterscheiden sich zudem deutlich nach Vermögen, Alter und Sparmotiven.
Risiko, Wissen und Vertrauen bremsen Investments
Bei Haushalten mit ausreichenden finanziellen Mitteln gilt das wahrgenommene Risiko als wichtigste Hürde für Aktien- oder Fondsanlagen. Hinzu kommen mangelnde Finanzkenntnisse und geringes Vertrauen in die Kapitalmärkte.
Die EZB verweist darauf, dass diese Faktoren eng miteinander verbunden sind. Wer Finanzprodukte schlechter versteht, bewertet Risiken möglicherweise höher und entwickelt weniger Vertrauen in entsprechende Anlageformen.
EZB fordert gezieltere Maßnahmen
Aus Sicht der Autoren reichen einheitliche Maßnahmen nicht aus, da Haushalte sehr unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen. Genannt werden unter anderem bessere Finanzbildung, einfachere Anlageprodukte und Modelle, die langfristiges Investieren erleichtern.
Als Beispiele verweist die EZB auf Finanzbildungsprogramme in Slowenien, Investmentkonten in Finnland und verpflichtende betriebliche Vorsorge in den Niederlanden. Solche Ansätze könnten Haushalten den Zugang zu Kapitalmarktrenditen erleichtern.
Sparvermögen soll stärker Wachstum finanzieren
Eine breitere Beteiligung an Kapitalmärkten könnte nach Einschätzung der EZB nicht nur höhere langfristige Renditen für Haushalte ermöglichen, sondern auch mehr Kapital für Innovation, Produktivität und wirtschaftliches Wachstum bereitstellen.
Die geplante europäische Spar- und Investitionsunion soll dabei eine zentrale Rolle spielen. Entscheidend seien jedoch nicht allein neue Produkte, sondern auch mehr Transparenz, Vertrauen und Finanzwissen sowie Angebote, die zu unterschiedlichen Lebenssituationen und Sparzielen passen.




