Ein Drittel der Bundesbürger zeigt sich laut einer neuen EY-Verbraucherstudie mit der eigenen finanziellen Situation zufrieden – das sind sieben Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Dennoch bleibt die Zahl der Zufriedenen mit 33 Prozent unter dem Vor-Corona-Niveau, das 2019 noch bei 41 Prozent lag. Die Einschätzung unterscheidet sich dabei deutlich nach Geschlecht: Während 37 Prozent der Männer ihre finanzielle Lage positiv bewerten, tun dies nur 30 Prozent der Frauen. Die Zahl derer, die ihre finanzielle Situation als schlecht einschätzen, ist leicht auf 21 Prozent gesunken.
Vorsichtiger Optimismus mit Blick auf die Zukunft
Trotz des leichten Aufwärtstrends herrscht bei vielen Menschen Skepsis, wenn es um die Zukunft geht. Nur 17 Prozent rechnen mit einer Verbesserung ihrer Finanzlage im kommenden Jahr, 26 Prozent erwarten eine Verschlechterung. Auch bei der allgemeinen wirtschaftlichen Lage in Deutschland überwiegt der Pessimismus: Fast jeder Zweite (49 Prozent) rechnet mit einer konjunkturellen Verschlechterung, auch wenn dieser Wert zehn Prozentpunkte unter dem des Vorjahres liegt. Die Zahl der Optimisten stieg um sechs Punkte auf 16 Prozent. Insgesamt blicken 51 Prozent der Befragten positiv in die Zukunft – ein leichter, aber stetiger Anstieg seit drei Jahren.
EY-Geschäftsführer Henrik Ahlers mahnt dennoch zur Vorsicht: Die leichte Verbesserung sei ein gutes Signal, aber es bestehe weiterhin große Skepsis gegenüber der wirtschaftlichen Entwicklung. Eine echte Trendwende erfordere politische Reformen und Maßnahmen zur Stärkung des Standorts Deutschland.
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Arbeitsplatzsicherheit bleibt hoch – aber Sorgen nehmen zu
Aktuell halten 84 Prozent der Befragten ihren Arbeitsplatz für sicher, 45 Prozent sogar für sehr sicher. Dennoch empfindet jeder sechste seinen Arbeitsplatz als unsicher – der höchste Wert seit 2009. Im Vergleich zum Vorjahr stieg dieser Anteil um drei Prozentpunkte. Ahlers betont, dass trotz der Herausforderungen durch internationale Konkurrenz und wirtschaftliche Unsicherheit kein breiter Vertrauensverlust zu beobachten sei – viele Menschen glaubten weiterhin an sich und die Stärke der Unternehmen.
Gleichzeitig zeigt sich jedoch ein deutlicher Nachholbedarf bei der langfristigen Zufriedenheit: Während 33 Prozent der Befragten angeben, dass sich ihr Lebensstandard in den letzten zehn Jahren verbessert habe, sehen 36 Prozent eine Verschlechterung. Vor allem ältere Menschen sind unzufriedener: 40 Prozent der über 65-Jährigen berichten von einem Rückgang ihres Lebensstandards, bei den 56- bis 64-Jährigen sind es sogar 42 Prozent. Jüngere Generationen zeigen sich hingegen tendenziell optimistischer.
Konsumverhalten passt sich der Unsicherheit an
Die Reaktion der Verbraucher auf die wirtschaftlichen Unsicherheiten fällt eindeutig aus: 45 Prozent wollen bei größeren Anschaffungen wie Autos oder Möbeln sparen. Auch bei Unterhaltungselektronik, Renovierungen und Restaurantbesuchen wird gespart. Nur bei Lebensmitteln überwiegt mit 23 Prozent der Anteil derer, die mit steigenden Ausgaben rechnen. Während die Sorge vor steigenden Lebenshaltungskosten und Energiepreisen leicht zurückgeht, nimmt die Angst vor geopolitischen Konflikten weiter zu – ein Spiegelbild der angespannten globalen Lage.
Ahlers unterstreicht, dass strukturelle Reformen nun dringend notwendig seien, um Deutschlands Zukunftsfähigkeit zu sichern. Reformen in Bereichen wie Bildung, Sozialsystemen, Steuern und Bürokratie seien laut EY unverzichtbar, auch wenn sie kurzfristig unbequeme Entscheidungen erforderten.


