Die deutsche Games-Branche blickt auf ein turbulentes Jahr zurück. Während weltweit Projekte gestoppt und Stellen abgebaut wurden, kämpften auch deutsche Studios mit Unsicherheit – verschärft durch eine unzuverlässige Förderpolitik. Wie der Jahresbericht der Games-Branche konstatiert, litten besonders kleinere und mittlere Entwickler litten unter dem Wegfall planbarer Unterstützung und einem internationalen Kostennachteil von rund 30 Prozent.
Hoffnung durch neue Förderrichtlinien
Zur gamescom 2024 stellte das Wirtschaftsministerium neue Regeln vor. Auch wenn diese in Teilen Verschlechterungen enthielten, sorgten sie für Klarheit, unter welchen Bedingungen wieder Anträge gestellt werden konnten. Parallel entwickelte sich das Gründungsstipendium „Press Start“ zu einem Erfolg: Über 1.000 Bewerbungen zeigten den großen Drang zur Selbstständigkeit in der Branche.
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Politische Unsicherheiten und wirtschaftlicher Druck
Mit dem Aus der Ampel-Koalition verschärfte sich die Lage zusätzlich. Der ungeklärte Bundeshaushalt für 2025 ließ Studios in Unsicherheit zurück. Förderaufrufe erwiesen sich in der Praxis als schwer umsetzbar, sodass viele Unternehmen trotz offizieller Öffnung ohne konkurrenzfähige Bedingungen dastanden. Laut Branchenbarometer sank die Zahl der Unternehmen und Beschäftigten erstmals seit Jahren.
Schwarze-Rote Koalition setzt neue Impulse
Nach der Bundestagswahl änderte sich die Perspektive: CDU, CSU und SPD vereinbarten eine steuerliche Förderung für Games. Bundesministerin Dorothee Bär kündigte rasch Taten an und stockte die Bundesmittel für 2025 auf 88 Millionen Euro, ab 2026 sogar auf 125 Millionen Euro. Eine Studie von Goldmedia zeigt, dass jeder Euro Förderung volkswirtschaftlich ein Vielfaches an Steuern, Investitionen und Wertschöpfung erzeugt.
Marktentwicklung und Trends
Der deutsche Games-Markt schrumpfte 2024 erstmals seit Jahren um sechs Prozent auf 9,4 Milliarden Euro. Weniger Blockbuster-Veröffentlichungen und eine Normalisierung der Konsolennachfrage drückten die Umsätze. Wachstumstreiber blieben hingegen Online-Gaming-Services und Mobile Games. Auch die gamescom setzte ein starkes Zeichen: Mit neuen Rekorden bei Ausstellern, Internationalität und Reichweite unterstrich sie die weltweite Relevanz des Standorts Köln.
Fazit
Die deutsche Games-Branche befindet sich in einer Phase des Umbruchs. Zwischen Rückschlägen und politischer Neuordnung eröffnen sich Chancen für eine nachhaltige Stärkung des Standorts. Ob steuerliche Förderung und erhöhte Budgets reichen, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Klar ist jedoch: Das Potenzial bleibt gewaltig.


