Ein US-Bundesrichter hat Google verpflichtet, seine marktbeherrschende Stellung bei der Internetsuche einzuschränken. Der seit 2020 laufende Prozess des US-Justizministeriums gegen den Konzern mündete in einem Urteil, das tiefgreifende Änderungen vorsieht – allerdings ohne die von der Regierung geforderte Zerschlagung durchzusetzen.
Zugriff auf zentrale Daten
Richter Amit Mehta aus Washington D.C. entschied, dass Google Wettbewerbern künftig Zugang zu wichtigen Elementen seiner Suchtechnologie gewähren muss. Dazu gehören auch Daten aus Billionen von Suchanfragen, die bislang exklusiv dem Unternehmen vorbehalten waren. Diese Daten gelten als entscheidend für die Qualität und Weiterentwicklung der Ergebnisse.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Keine Abgabe von Chrome und Android
Das Gericht lehnte Forderungen der Regierung ab, Google zur Abgabe seines Chrome-Browsers und des mobilen Betriebssystems Android zu zwingen. Auch die milliardenschweren Vereinbarungen, mit denen Google seine Suche auf Smartphones und PCs als Standarddienst sichert, bleiben bestehen. Allein im Jahr 2024 flossen dafür nach Angaben des Verfahrens mehr als 26 Milliarden US-Dollar (rund 24 Milliarden Euro).
Google warnt vor Risiken
In einer Stellungnahme betonte Lee-Anne Mulholland, Vice President Regulatory Affairs bei Google, dass das Urteil anerkenne, wie stark sich die Branche durch Künstliche Intelligenz verändert habe. Nutzer hätten heute viele Möglichkeiten, Informationen zu finden, und der Wettbewerb sei intensiver denn je. Google bleibe daher bei seiner Ansicht, dass das Verfahren auf einer falschen Annahme beruhe.
Das Unternehmen äußerte zudem Bedenken, wie die nun geforderten Datenfreigaben den Schutz der Nutzer beeinträchtigen könnten. „Wir prüfen die Entscheidung sorgfältig“, so Mulholland, „denn es geht auch um die Privatsphäre unserer Anwender.“ Positiv wertete Google, dass das Gericht die Abgabe von Chrome und Android ablehnte, da diese Maßnahme nach eigener Einschätzung Verbrauchern und Partnern geschadet hätte.
Signalwirkung für die Branche
Auch ohne eine Zerschlagung gilt das Urteil als Meilenstein im Umgang mit marktbeherrschenden Plattformen. Angesichts des technologischen Umbruchs durch KI-Systeme wie ChatGPT wächst der Druck auf Regulierer weltweit, die Macht großer Internetkonzerne enger zu begrenzen. Die 226 Seiten starke Entscheidung dürfte daher weitreichende Folgen für die gesamte Tech-Industrie haben.


