Greenpeace hat gestern lautstark vor einem neu eröffneten Shein-Pop-up-Store in Berlin gegen das Geschäftsmodell des Fast-Fashion-Händlers, der vor rund zwei Wochen an der Hongkonger Börse gestartet ist, protestiert. Zwölf Aktivisten sperrten den Eingang symbolisch mit Bannern und Absperrbändern ab und kritisierten vor allem Überproduktion, Chemikalienbelastungen und wachsende Textilmüllmengen.
Die Umweltorganisation wirft Shein vor, den stationären Auftritt vor allem als Marketinginstrument für das eigene Onlinegeschäft zu nutzen. Der Konzern selbst wird in der Greenpeace-Mitteilung nicht mit einer Stellungnahme zitiert.
Greenpeace verweist auf Chemikalienfunde
Greenpeace hatte bereits mehrfach Shein-Produkte auf Schadstoffe untersuchen lassen. Nach Angaben der Organisation wurden dabei unter anderem PFAS und Phthalate oberhalb zulässiger EU-Grenzwerte gefunden.
Für die aktuell im Berliner Pop-up-Store angebotenen Artikel legt Greenpeace allerdings keine eigenen neuen Laborergebnisse vor. Die Organisation geht vielmehr davon aus, dass die dort verkauften Produkte die geltenden Vorgaben erfüllen dürften.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Kritik richtet sich auch gegen Importregeln
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft Direktlieferungen aus Nicht-EU-Staaten. Greenpeace argumentiert, dass Plattformen wie Shein dadurch bislang teilweise weniger unmittelbar für die Einhaltung bestimmter Produktvorgaben hafteten und fordert strengere europäische Regeln.
Die Organisation verlangt insbesondere, wiederholte Verstöße konsequenter zu sanktionieren und Produkte auf Online-Marktplätzen stärker unter dieselben Anforderungen zu stellen wie klassische Importe über europäische Händler.
Frankreich dient Greenpeace als Vorbild
Greenpeace verweist auf Frankreich, wo Ultra-Fast-Fashion stärker reguliert werden soll. Nach Darstellung der Organisation umfasst das französische Modell unter anderem produktbezogene Abgaben und Einschränkungen bei Werbung.
Für Deutschland fordert Greenpeace ein vergleichbares Gesetz, das Überproduktion reduzieren und alternative Geschäftsmodelle wie Reparatur und Second-Hand fördern soll.
Pop-up-Store wird zum Symbol für Grundsatzdebatte
Der Berliner Protest richtet sich damit weniger gegen ein einzelnes Geschäft als gegen das gesamte Ultra-Fast-Fashion-Modell. Shein steht beispielhaft für extrem kurze Produktzyklen, große Sortimentsmengen und stark digitalisierte Vertriebsmodelle.
Greenpeace nutzt die Eröffnung des Pop-up-Stores deshalb als Anlass, erneut strengere gesetzliche Vorgaben für die Branche zu fordern. Im Zentrum stehen Produktsicherheit, Herstellerverantwortung und die Frage, wie stark Fast-Fashion-Geschäftsmodelle künftig regulatorisch begrenzt werden sollen.





