Der Handelsverband Deutschland (HDE) bewertet das erste Jahr der schwarz-roten Bundesregierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz mit gemischten Gefühlen. Zwar erkenne die Koalition viele wirtschaftliche Probleme grundsätzlich richtig an, bei wichtigen Entlastungen für Verbraucher und Unternehmen fehle jedoch weiterhin die konkrete Umsetzung.
Besonders kritisch sieht der Verband die hohe Belastung durch Energiepreise, Lohnnebenkosten und ausbleibende steuerliche Entlastungen für kleine und mittlere Einkommen.
HDE fordert spürbare Entlastungen für Verbraucher
Nach Einschätzung des HDE bleibt die Stimmung unter den Verbraucherinnen und Verbrauchern angespannt. Das aktuelle HDE-Konsumbarometer für Mai zeige die pessimistischste Einschätzung seit drei Jahren.
HDE-Präsident Alexander von Preen verweist darauf, dass angekündigte Steuerentlastungen bislang noch nicht im Alltag der Menschen angekommen seien. Vor allem die für Januar 2027 angekündigte Einkommensteuerreform müsse aus Sicht des Einzelhandels dringend umgesetzt werden.
Der Verband betont dabei die Bedeutung des privaten Konsums für die wirtschaftliche Entwicklung. Eine bessere Konsumstimmung entstehe nur dann, wenn Bürger tatsächliche finanzielle Verbesserungen spürten. Der Einzelhandel sei deshalb auf mehr wirtschaftliche Dynamik und eine positivere Grundstimmung angewiesen.
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Hohe Energie- und Arbeitskosten belasten Unternehmen
Auch die wirtschaftliche Lage vieler Handelsunternehmen bewertet der HDE weiterhin kritisch. Besonders hohe Energie- und Stromkosten belasteten die Betriebe erheblich. Der Verband fordert deshalb eine Senkung der Stromsteuer für alle Unternehmen. Zudem spricht sich der HDE für eine Begrenzung der Lohnnebenkosten auf maximal 40 Prozent aus, um den Faktor Arbeit zu entlasten.
Gleichzeitig warnt der Einzelhandel davor, mögliche Entlastungsmaßnahmen durch neue finanzielle Belastungen wieder zunichtezumachen. Diskussionen über eine mögliche Mehrwertsteuererhöhung hätten aus Sicht des Verbandes zusätzliche Verunsicherung ausgelöst.
Der HDE fordert deshalb eine langfristig verlässliche Wirtschaftspolitik mit klaren Perspektiven für Unternehmen und Verbraucher.
Gesundheitsreform teilweise positiv bewertet
Positiv äußert sich der Verband zur aktuellen Gesundheitsreform der Bundesregierung. Insbesondere die Abschaffung der beitragsfreien Mitversicherung von Ehegatten bewertet der HDE als wichtigen Schritt. Nach Ansicht des Verbandes könne diese Maßnahme auch dazu beitragen, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Gleichzeitig lehnt der HDE jedoch einzelne Bestandteile der Reform entschieden ab.
Kritik gibt es unter anderem an der außerordentlichen Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze sowie an höheren Krankenversicherungsbeiträgen für Minijobber.
Insgesamt sieht der HDE nach dem ersten Regierungsjahr zwar erste richtige Ansätze, fordert von der schwarz-roten Koalition jedoch deutlich mehr Tempo bei wirtschaftlichen Entlastungen und Strukturreformen.


