Der deutsche Einzelhandel blickt mit Sorge auf das Jahr 2026. Die aktuelle Jahresprognose (PDF) des Handelsverbandes Deutschland (HDE) geht zwar von einem nominalen Umsatzplus von zwei Prozent aus – real entspricht das allerdings lediglich einem halben Prozent. Rund 600 Handelsunternehmen haben sich an der HDE-Umfrage beteiligt, knapp die Hälfte von ihnen erwartet für dieses Jahr Umsätze unter dem Vorjahresniveau.
Wachstumstreiber bleibt der Online-Handel
Besonders düster ist die Stimmung angesichts geopolitischer Unsicherheiten und einer schwachen Konsumlaune. HDE-Präsident Alexander von Preen spricht von einem Jahresbeginn „ohne richtigen Schwung“ und fordert von der Bundesregierung gezielte Maßnahmen zur Belebung des Handels. Die Lage ist angespannt: Während 49 Prozent der Händler mit rückläufigen Umsätzen rechnen, gehen nur 23 Prozent von einer Verbesserung aus.
Ein kleiner Lichtblick bietet dagegen der Online-Handel: Laut HDE-Prognose wird dieser 2026 um nominal 4,4 Prozent zulegen, real ergibt sich daraus ein Plus von 3,5 Prozent. Der Online-Anteil am Einzelhandelsumsatz liegt damit bei 96,3 Milliarden Euro – bei einem Gesamtumsatz von 697,4 Milliarden Euro.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Kosten, Bürokratie und Tarifrunde belasten Branche
Zunehmend sorgen sich Händler über hohe Energiepreise, steigende Löhne und ausufernde Bürokratie. In der Umfrage gaben 59 Prozent der Unternehmen an, sich insbesondere beim Thema Bürokratie Erleichterungen zu wünschen. Der HDE fordert die Politik zu spürbaren Entlastungen auf – unter anderem durch eine Senkung der Stromsteuer und eine dauerhafte Deckelung der Sozialversicherungsbeiträge bei 40 Prozent.
Auch mit Blick auf die im April beginnende Tarifrunde im Einzelhandel warnt der Verband vor überzogenen Lohnforderungen. Seit 2022 sind bereits 60.000 sozialversicherungspflichtige Stellen in der Branche verloren gegangen. Für den Fall weiter steigender Arbeitskosten rechnen 77 Prozent der Händler mit weiteren Beschäftigungsverlusten. Mit 3,1 Millionen Beschäftigten zählt der Einzelhandel zu den größten Arbeitgebern Deutschlands – und steht 2026 vor einer der wichtigsten Tarifrunden des Jahres.


