Haustiere sind für viele Menschen emotionale Begleiter – und ein unterschätzter Wirtschaftsfaktor. Eine aktuelle volkswirtschaftliche Untersuchung der Universität Göttingen unter Leitung von Prof. Dr. Renate Ohr zeigt, dass die Heimtierhaltung in Deutschland im Jahr 2024 Umsätze von mehr als 18 Milliarden Euro generierte. Nach Abzug importierter Leistungen ergibt sich daraus ein Beitrag zur Bruttowertschöpfung von etwa 15,2 Milliarden Euro – rund 0,35 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Der Industrieverband Heimtierbedarf (IVH) e.V. unterstützte die Studie, die an frühere Untersuchungen aus den Jahren 2014 und 2019 anknüpft.
Breite wirtschaftliche Auswirkungen
Die Untersuchung erfasst Ausgaben in zahlreichen Segmenten – von Futter und Zubehör über Tierärzte und Versicherungen bis zu Dienstleistungen wie Hundeschulen oder Tierbestattungen. Bis zu 165.000 Arbeitsplätze in Industrie, Handel, Handwerk und Dienstleistungen sind laut Studie mit der Heimtierhaltung verbunden. Zum Vergleich: Die Wertschöpfung dieses Bereichs beträgt mehr als ein Drittel der deutschen Land- und Forstwirtschaft inklusive Fischerei, die 2024 rund 39,6 Milliarden Euro zum BIP beitrug.
„Heimtiere sind emotionale Bezugspersonen, stärken das Wohlbefinden und beeinflussen die Konsumbereitschaft positiv“, betont Prof. Dr. Ohr. Diese Entwicklung fördert nicht nur die Nachfrage nach Heimtierprodukten, sondern stärkt ganze Branchen. Die Umsätze für Heimtiernahrung – inklusive selbst zubereitetem Futter – beziffert die Studie auf 7,5 bis 9,5 Milliarden Euro. Damit hat sich dieser Bereich gegenüber den Zahlen von 2018 fast verdoppelt.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Gesundheitsleistungen und Versicherungen als Wachstumstreiber
Auch der Gesundheitsbereich rund um Tiere verzeichnet deutliche Zuwächse: Tierarztpraxen, Tierheilpraktiker und verwandte Berufe erwirtschafteten laut Studie 4 bis 4,2 Milliarden Euro Umsatz. Gründe sind unter anderem die seit 2022 gültige Gebührenordnung für Tierärzte und ein verändertes Ausgabeverhalten – befeuert durch den zunehmenden Abschluss von Tierkrankenversicherungen. Diese wuchsen auf ein Volumen von rund 1,1 bis 1,2 Milliarden Euro.
Wirtschaftlich relevant sind auch die Betreuung und Bestattung von Heimtieren. Letztere wird mit Ausgaben zwischen 100 und 110 Millionen Euro beziffert. „Die Humanisierung im Umgang mit Heimtieren zeigt sich besonders in der wachsenden Nachfrage nach würdevollen Bestattungen“, erklärt Prof. Dr. Ohr. Auch die Hundesteuer stieg auf 430 Millionen Euro, ein Plus von rund 20 Prozent gegenüber 2018.
Fazit: Heimtiere als Wirtschaftsfaktor mit Zukunft
Die Ergebnisse der Heimtierstudie 2025 verdeutlichen, dass Heimtiere längst nicht nur emotionale Weggefährten sind, sondern ein stabiler Bestandteil der deutschen Konsum- und Arbeitswelt. Die vielfältigen Ausgaben der Tierhalter tragen zur Stärkung zahlreicher Branchen bei – und dürften angesichts gesellschaftlicher Entwicklungen weiter wachsen.


