Die traditionsreiche Wäschekette Herzog & Bräuer hat erneut Insolvenz angemeldet. Beim Amtsgericht Leipzig wurde das Verfahren eröffnet – betroffen sind rund 100 Filialen und etwa 400 Mitarbeitende bundesweit, wie Textilwirtschaft zuerst berichtet. Es ist bereits das zweite Insolvenzverfahren innerhalb von fünf Jahren.
Rückblick auf die erste Sanierung
Im Frühjahr 2020 geriet Herzog & Bräuer im Zuge der Corona-Pandemie in massive Schwierigkeiten. Die vorübergehende Schließung sämtlicher Geschäfte führte zur ersten Insolvenzanmeldung. Damals konnte sich das Unternehmen über ein Eigenverwaltungsverfahren retten. Ein gerichtlich bestellter Sachwalter sowie ein externes Sanierungsteam ermöglichten die Umsetzung eines Restrukturierungsplans, der bis Herbst 2021 abgeschlossen war. Die Zahl der Filialen wurde auf 96 reduziert, rund 390 Arbeitsplätze blieben erhalten. Für einige Zeit schien das Konzept aufzugehen – nun aber steht das Unternehmen erneut vor dem wirtschaftlichen Aus.
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Ursachen: Strukturwandel und Marktverwerfungen
Die offizielle Stellungnahme der Geschäftsführung nennt keine konkreten Gründe für den erneuten Insolvenzantrag. Experten verweisen jedoch auf mehrere Belastungsfaktoren: Der stationäre Wäschehandel leidet unter hoher Preissensibilität der Kunden und unter der anhaltenden Konkurrenz durch Onlinehändler. Produkte wie Unterwäsche und Dessous werden zunehmend im Internet gekauft – oft günstiger, schneller und bequemer.
Hinzu kommen steigende Betriebskosten, eine verhaltene Konsumstimmung und ein hoher Konkurrenzdruck im Textilmarkt. Gerade mittelständische Ketten mit vielen Filialen, wie Herzog & Bräuer, sind diesen Herausforderungen besonders ausgesetzt. Mieten, Personalkosten und Lagerhaltung erzeugen laufende Belastungen, die bei schwankender Nachfrage kaum zu kompensieren sind.
Unsichere Zukunft für Beschäftigte und Filialen
Die Filialen von Herzog & Bräuer befinden sich bundesweit in Groß- und Mittelstädten, darunter Berlin, Hamburg, Köln und München. Das dichte Netz war lange eine Stärke – es ermöglichte Kundennähe und Präsenz im Stadtbild. Doch inzwischen hat sich dieses Modell ins Gegenteil verkehrt: Jede Filiale verursacht Fixkosten, unabhängig davon, ob sie profitabel arbeitet oder nicht.
Die rund 400 Beschäftigten – darunter Verkaufs- und Beratungskräfte, Logistikmitarbeiter und Verwaltungspersonal – stehen nun vor einer ungewissen Zukunft. Ob ein erneuter Sanierungsversuch folgt oder zahlreiche Standorte geschlossen werden müssen, ist bislang offen. Konkrete Pläne der Geschäftsführung wurden nicht veröffentlicht.
Ein Fall mit Signalwirkung für den Einzelhandel
Der Fall Herzog & Bräuer ist exemplarisch für die Herausforderungen, vor denen viele mittelständische Einzelhändler stehen. Die Umstellung auf neue Kaufgewohnheiten, der Druck durch Onlineplattformen sowie die gestiegenen Erwartungen an Flexibilität und Preisgestaltung setzen klassische Geschäftsmodelle zunehmend unter Druck.
Während die erste Restrukturierung 2020 erfolgreich war, zeigt die erneute Insolvenz, dass Schrumpfungsstrategien allein oft keine langfristige Lösung bieten. Die Frage, wie sich stationäre Händler neu positionieren können, bleibt drängend – nicht nur für Herzog & Bräuer, sondern für den gesamten deutschen Einzelhandel.


