Die Insolvenz von iRobot kommt nicht überraschend, wirkt aber dennoch wie ein Einschnitt für die Branche. Das 1990 am Massachusetts Institute of Technology (MIT) gegründete Unternehmen hatte mit dem Roomba im Jahr 2002 eine völlig neue Produktkategorie etabliert und den Markt für Haushaltsrobotik über zwei Jahrzehnte geprägt.
Übernahme durch chinesischen Zulieferer geplant
Nun soll iRobot im Rahmen des Insolvenzverfahrens von Shenzhen Picea Robotics, einem chinesischen Kreditgeber und zugleich wichtigen Zulieferer, übernommen und von der Börse genommen werden. In den Gerichtsunterlagen beziffert iRobot seine Vermögenswerte und Verbindlichkeiten jeweils auf 100 bis 500 Millionen US-Dollar (rund 93 bis 465 Millionen Euro). Allein gegenüber Picea sollen nahezu 100 Millionen US-Dollar Schulden bestehen.
Amazon unaufhaltsam
Gescheiterte Amazon-Übernahme als Wendepunkt
ils zentralen Wendepunkt sehen Beobachter das Scheitern der geplanten Übernahme durch Amazon. Der E-Commerce-Konzern wollte iRobot Anfang 2024 für rund 1,7 Milliarden US-Dollar (etwa 1,58 Milliarden Euro) übernehmen, zog das Vorhaben jedoch zurück. Grund waren anhaltende kartellrechtliche Bedenken seitens der EU-Kommission und der US-Handelsbehörde FTC.
Colin Angle, Mitgründer und langjähriger CEO von iRobot, nennt die Insolvenz nun gegenüber CNBC „zutiefst enttäuschend“ und „nichts weniger als eine Tragödie für Verbraucher“. Die Amazon-Übernahme sei der „mit Abstand tragfähigste Weg“ gewesen, um iRobot im globalen Wettbewerb zu stärken. Das Scheitern wertet Angle als Warnsignal an Wettbewerbsbehörden:
Überzogene Regulierung könne etablierte US-Technologieunternehmen nachhaltig schwächen. Auch Amazon-Chef Andy Jassy hatte die Blockade des Deals bereits öffentlich als „traurige Geschichte“ bezeichnet.
Konkurrenz aus China und operative Schwierigkeiten
Unabhängig von der geplatzten Übernahme kämpfte iRobot seit Jahren mit zunehmendem Wettbewerbsdruck. Chinesische Anbieter wie Ecovacs, Roborock, Anker oder Dreame drängen mit technisch ausgereiften, aber deutlich günstigeren Geräten auf den Markt – und gewinnen rasant Marktanteile.
Hinzu kamen Lieferkettenprobleme, hohe Lagerbestände, steigende Kosten sowie Zollbelastungen. In den Unterlagen zur Insolvenz werden unter anderem offene Forderungen von Logistikdienstleistern und US-Zollbehörden genannt. Nach dem Amazon-Rückzug hatte iRobot bereits 31 Prozent der Belegschaft entlassen, Colin Angle trat als CEO und Verwaltungsratsvorsitzender zurück.
Mit dem nun eingeleiteten Verfahren soll das operative Geschäft zunächst fortgeführt werden. Laut Unternehmensangaben sollen Produktfunktionalität und Kundensupport nicht beeinträchtigt werden.
Innovationssymbol im Wandel
Die Insolvenz von iRobot hat über den Einzelfall hinaus Signalwirkung. Helen Greiner, ebenfalls Mitgründerin, kritisierte öffentlich, dass eine Restrukturierung unter chinesischer Kontrolle weder im Interesse von Verbrauchern noch von Mitarbeitern, Aktionären oder dem Standort USA sei.
Damit wird iRobot zum Symbol einer größeren Debatte: Wie können westliche Technologieunternehmen im globalen Wettbewerb bestehen, wenn Skalierung, Kapitalzugang und strategische Übernahmen zunehmend regulatorischen Hürden unterliegen?
Ob iRobot unter neuem Eigentümer eine zweite Chance erhält oder endgültig an Bedeutung verliert, bleibt offen. Für viele Beobachter steht jedoch fest: Mit der Insolvenz endet ein wichtiges Kapitel der amerikanischen Robotikgeschichte.


