Die Stimmung unter deutschen CEOs bleibt verhalten. Zwar ist die kurzfristige Zuversicht gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen, doch mit nur 22 Prozent bleibt Deutschland hinter dem globalen Schnitt von 30 Prozent zurück. Die Manager blicken laut neuer PWC-CEO-Umfrage skeptisch auf die heimische Konjunktur, erkennen Wachstumschancen eher im Ausland – und in neuen Industrien.
KI als Hoffnungsträger – mit Hindernissen
Künstliche Intelligenz soll den Weg in eine erfolgreiche Zukunft ebnen. Doch bislang gelingt es nur wenigen Unternehmen, daraus messbare Erfolge zu ziehen. Lediglich elf Prozent der deutschen CEOs berichten von höheren Umsätzen durch KI. In puncto Kostensenkung sind es 16 Prozent. Damit liegt Deutschland deutlich hinter Ländern wie China oder den USA, wo KI bereits spürbare Effekte erzielt. Der internationale Vergleich macht deutlich: Wer KI breitflächig integriert – von Datenverfügbarkeit bis zur strategischen Nutzung – ist im Vorteil.
Dennoch bleibt der Handlungsdruck hoch. 57 Prozent der deutschen CEOs zweifeln, ob ihr Unternehmen mit dem Tempo des technologischen Wandels Schritt hält. Auch die Frage nach der Innovationsfähigkeit rückt stärker in den Fokus – besonders, wenn KI nicht nur Prozesse, sondern ganze Geschäftsmodelle verändern soll.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Cyberangriffe und geopolitische Risiken belasten Planungen
Neben der Herausforderung, Transformation zu beschleunigen, sehen deutsche CEOs Cyberrisiken als größte Bedrohung. 34 Prozent bezeichnen sie als Top-Gefahr für die kommenden zwölf Monate, gefolgt von makroökonomischer Unsicherheit (31 Prozent) und geopolitischen Spannungen (25 Prozent). Die zunehmende technologische Abhängigkeit – 58 Prozent der deutschen Unternehmen beziehen ihre digitalen Technologien überwiegend aus den USA – verstärkt die Sorge um digitale Souveränität.
Viele Unternehmen setzen deshalb auf eine Stärkung der Cybersicherheit und prüfen Alternativen innerhalb Europas. Bereits ein Drittel plant, innerhalb von drei Jahren verstärkt auf europäische Anbieter umzusteigen.
Neue Branchen als Wachstumsstrategie
In Reaktion auf stagnierende Erträge im Kerngeschäft orientieren sich deutsche CEOs verstärkt neu. 52 Prozent sind in den letzten fünf Jahren in neue Branchen vorgedrungen – vor allem in Verteidigung, Energie, Raumfahrt und Unternehmensdienstleistungen. Doch echte Umsatzerfolge bleiben bislang aus: Drei Viertel der Unternehmen erzielen in neuen Sektoren nur einen marginalen Umsatzanteil von maximal 20 Prozent.
Zwar halten 49 Prozent der Befragten Innovation für einen strategischen Schlüssel, aber nur wenige gehen konsequent voran. Der Aufbau von Innovationszentren oder Partnerschaften mit Start-ups ist noch die Ausnahme.
Fokus auf das Hier und Jetzt dominiert
Trotz aller Ambitionen bleibt der Blick vieler CEOs auf das operative Tagesgeschäft gerichtet. Knapp die Hälfte ihrer Zeit widmen sie Entscheidungen mit kurzfristigem Planungshorizont. Lediglich 15 Prozent investieren Zeit in strategische Überlegungen über fünf Jahre hinaus.
PwC-Deutschlandchefin Petra Justenhoven bringt es auf den Punkt: „Deutsche Unternehmen reagieren wie gelernt – mit Effizienz. Doch für langfristigen Erfolg braucht es Mut, Neues zu wagen, statt am Bestehenden festzuhalten.“ Die Zeit zur Neuausrichtung ist gekommen.


