Künstliche Intelligenz wird für viele Jugendliche in Deutschland bereits zum festen Bestandteil der Produktsuche und Kaufentscheidung. Laut einer internationalen Mastercard-Studie nutzen deutsche Jugendliche KI beim Einkaufen etwa doppelt so häufig wie ihre Eltern.
Grundlage des Reports „A Short History of the Future of Shopping and Payments“ ist eine Befragung von 26.000 Eltern und Jugendlichen in 13 Ländern. Ergänzt wurden die Ergebnisse durch Einschätzungen internationaler Zukunftsforscher zu Handel, KI und Zahlungsverkehr.
Jugendliche nutzen KI bereits intensiv zur Produktsuche
In Deutschland haben 79,9 Prozent der befragten Jugendlichen innerhalb der vergangenen zwölf Monate mindestens einmal KI zur Produktrecherche eingesetzt. 84,7 Prozent halten es zudem für wichtig oder sehr wichtig, zu verstehen, wie KI funktioniert.
Auch die Erwartungen an die weitere Entwicklung sind hoch. 55,6 Prozent der Jugendlichen gehen laut den detaillierten Studienergebnissen davon aus, dass KI die Art verändern wird, wie ihre Generation künftig einkauft.
29,8 Prozent erwarten, dass KI in den kommenden Jahren zu einer der wichtigsten Einkaufsformen wird. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland damit hinter Frankreich mit 34,8 Prozent und Großbritannien mit 45,7 Prozent.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Vertrauen wird zur Voraussetzung für Agentic Commerce
Mit zunehmender Automatisierung verändert sich auch die Frage, wem Verbraucher Kaufentscheidungen überlassen wollen. Mastercard sieht Vertrauen, Transparenz und Kontrolle als zentrale Voraussetzungen dafür, dass KI-Agenten künftig eigenständig Transaktionen durchführen können.
27 Prozent der deutschen Jugendlichen geben an, Käufen über KI stärker zu vertrauen als anderen Methoden. Gleichzeitig messen sowohl Jugendliche als auch Eltern digitaler Kompetenz und Online-Sicherheit große Bedeutung bei.
92,3 Prozent der Jugendlichen und 94,2 Prozent der Eltern bewerten diese Themen als wichtig. Auch 86,1 Prozent der Eltern halten KI-Kompetenz für relevant für die Zukunft ihrer Kinder.
KI-Agenten könnten Routinekäufe übernehmen
Die im Report befragten Zukunftsforscher erwarten, dass insbesondere wiederkehrende Käufe früh an KI-Agenten delegiert werden. Dazu könnten Lebensmittel oder Medikamente gehören.
Mastercard prognostiziert, dass bis 2030 mehr als jeder zehnte Online-Käufer in Europa KI-Agenten routinemäßig für Einkäufe einsetzen wird.
Damit würde sich die Rolle des Menschen im Kaufprozess verändern. Während Agenten standardisierte Beschaffungen automatisieren, könnte menschliches Einkaufen stärker auf Inspiration, persönliche Interessen und bewusste Auswahl ausgerichtet sein.
Händler müssen Produktdaten für Maschinen optimieren
Für den Handel entstehen dadurch neue Anforderungen. KI-Agenten können große Datenmengen auswerten, Bewertungen vergleichen und Kaufentscheidungen anhand vorher definierter Kriterien treffen.
Händler müssen deshalb Produktinformationen zunehmend so strukturieren, dass sie nicht nur für Menschen, sondern auch für Maschinen verständlich sind. Preise, Größen, Bilder, Zertifikate und Testberichte werden künftig stärker maschinenlesbar bereitgestellt werden müssen.
Auch Kundenbindungsprogramme könnten angepasst werden, damit KI-Agenten Angebote erkennen, vergleichen und in Entscheidungen einbeziehen können.
Erste agentische Zahlungen bereits in Deutschland getestet
Agentic Commerce ist in Deutschland nicht mehr ausschließlich ein Zukunftsszenario. Mastercard hat im Mai 2026 gemeinsam mit Deutsche Bank, DZ BANK und N26 eine agentische Transaktion praktisch demonstriert.
Dabei führte ein KI-Agent im Auftrag eines Nutzers eine Zahlung aus. Im Mittelpunkt standen dabei nach Angaben der beteiligten Unternehmen Kontrollmöglichkeiten, Transparenz und Sicherheitsmechanismen.
Die Entwicklung zeigt, dass sich KI im Handel zunehmend von einer beratenden Technologie zu einem aktiven Bestandteil des Kauf- und Zahlungsprozesses entwickelt.




