Migration ist eines der prägendsten politischen Themen in Europa geworden. In Deutschland rückte es besonders während des Bundestagswahlkampfs 2025 ins Zentrum der Debatte. Auch in Großbritannien ist Zuwanderung regelmäßig das Top-Thema, was mitverantwortlich für den Absturz der Tories und den Aufstieg von Reform UK war.
Große Skepsis gegenüber Migration
Eine europaweite YouGov-Umfrage vom November 2025, durchgeführt in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Dänemark, Polen und Großbritannien, zeigt: Die Mehrheit der Befragten steht Migration ablehnend gegenüber. Besonders deutlich ist die Wahrnehmung, dass es mehr irreguläre als reguläre Zuwanderung gebe – obwohl die Realität dies nicht stützt. In Deutschland glauben 44 Prozent, dass irreguläre Zuwanderung überwiegt, in Italien sind es sogar 60 Prozent. In Frankreich schätzt die Regierung die Zahl der irregulär eingereisten Menschen auf etwa 700.000 – gegenüber rund neun Millionen regulär im Land lebenden Migranten.
Solche Fehleinschätzungen befeuern die negative Stimmung. In allen untersuchten Ländern glaubt eine Mehrheit, dass irreguläre Zuwanderung schlecht für das Land sei (56 bis 75 Prozent). Deutlich gemischter fällt die Bewertung regulärer Zuwanderung aus.
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Mehrheit für Rückführung und Stopp neuer Zuwanderung
Die Umfrage zeigte zudem, dass in allen Ländern rund die Hälfte der Menschen Szenarien befürwortet, bei denen nicht nur keine neue Zuwanderung mehr erlaubt, sondern auch kürzlich Zugewanderte wieder abgeschoben werden sollen. Gleichzeitig lehnt die Mehrheit eine Beibehaltung des Status quo ab – es wird eine Reduktion oder ein vollständiger Stopp bevorzugt.
Dennoch zeigen sich in konkreten Entscheidungssituationen auch pragmatische Haltungen. Etwa wenn es um die personelle Ausstattung im Gesundheitswesen geht: Selbst migrationskritische Gruppen sehen hier eine Notwendigkeit für reguläre Zuwanderung. Auch wirtschaftliche Argumente wie Fachkräftemangel oder Talentgewinnung überzeugen viele Befragte – mehr als etwa humanitäre Verpflichtungen oder die fiskalische Entlastung durch mehr Steuerzahler.
Geteilte Meinungen zur Integration und gemeinsamen Werten
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Frage nach der kulturellen Integration. In Frankreich, Italien und Deutschland glaubt jeweils die Mehrheit, dass regulär Zugewanderte nicht dieselben Werte wie die einheimische Bevölkerung teilen. In Polen sind es 47 Prozent, in Spanien immerhin noch 43 Prozent. Auch die Integrationsleistung wird kritisch gesehen: In den meisten Ländern überwiegt die Meinung, dass Integration nicht gelungen sei – mit Ausnahme Spaniens, wo die Bevölkerung dies tendenziell positiver sieht.
Die Studienergebnisse machen deutlich, dass wirtschaftliche Gründe allein nicht ausreichen, um migrationskritische Haltungen zu ändern. Ängste um kulturelle Identität und gesellschaftliche Werte spielen eine entscheidende Rolle. Wer Migration politisch gestalten will, muss diese tiefer liegenden Bedenken ernst nehmen und konstruktiv darauf reagieren.


