Deutschland treibt den Ausbau seines Mobilfunknetzes mit hoher Geschwindigkeit voran: Laut einer aktuellen Studie der Managementberatung BearingPoint erreicht 5G bereits über 90 Prozent der Landesfläche – ein Rekordtempo im Vergleich zu früheren Mobilfunkgenerationen. Besonders dynamisch ist der Ausbau von Campusnetzen für industrielle Anwendungen, während neue Technologien wie Open RAN und KI das Netzmanagement revolutionieren.
Führungsrolle bei Campusnetzen und Innovation
Die Studie „Spotlight Mobile Rollout Germany“ zeigt, dass Deutschland insbesondere bei privaten 5G-Campusnetzen für die Industrie europaweit eine Vorreiterrolle einnimmt. Auch durch die Marktöffnung mit dem Einstieg von 1&1 als viertem Netzbetreiber und der Integration offener Netzarchitekturen wie Open RAN entstehen neue Impulse für Innovation und Wettbewerb.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Herausforderungen auf dem Weg zur Vollabdeckung
Trotz der raschen Fortschritte bleibt der vollständige Ausbau anspruchsvoll. Die Netzbetreiber investieren jährlich fünf bis sechs Milliarden Euro in die Infrastruktur. Schwachpunkte bestehen weiterhin bei der Versorgung ländlicher Regionen, entlang von Verkehrswegen und in Gebäuden. Die Bundesnetzagentur verschärft die Anforderungen: Bis 2030 sollen 99 Prozent der Fläche sowie sämtliche Verkehrswege mit 5G abgedeckt sein – inklusive bisher vernachlässigter unbewohnter Regionen.
Technologischer Fortschritt durch KI und Edge Computing
Ein entscheidender Erfolgsfaktor liegt in der engen Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Politik und Wissenschaft. Technologien wie Edge Computing, Open RAN und insbesondere KI helfen bereits heute, Netze effizienter zu planen und zu betreiben. KI-gestützte Tools optimieren etwa die Wartung und begegnen dem Fachkräftemangel.
Nächste Phase: Investitionswelle für 6G
Für den Zeitraum 2025 bis 2030 erwartet BearingPoint ein kumuliertes Investitionsvolumen von rund 37,7 Milliarden Euro in mobile Netzinfrastruktur. Während der Fokus bis 2030 auf dem 5G-Ausbau liegt, rückt gegen Ende des Jahrzehnts 6G in den Vordergrund. Erste Pilotprojekte sollen ab 2030 in urbanen Räumen starten – mit massiver Verdichtung der Infrastruktur durch Small Cells und der weiteren Integration von Edge-Lösungen.
Netzbetreiber unter Druck
Zunehmender Flächendruck, hohe Kosten und der Mangel an verfügbaren Grundstücken für neue Masten führen zu neuen Strategien: Standort-Sharing, modulare Netzarchitekturen sowie der Einsatz von Micro- und Nano-Cells werden wichtiger. Die größten Herausforderungen bleiben die Versorgung dünn besiedelter Regionen und die Abdeckung innerhalb von Gebäuden – beides zentrale Kriterien für den Erfolg von 6G.
Handlungsempfehlungen für die nächste Dekade
BearingPoint rät zu gezielten Investitionen in ländliche Räume, zur Förderung technologischer Innovationen und zur Stärkung von Aus- und Weiterbildung in digitalen Berufen. Gleichzeitig sollen Netzbetreiber, Industrie und Politik ihre Partnerschaften intensivieren und nachhaltige Geschäftsmodelle für kommende Generationen entwickeln.


