Die Private-Equity-Branche erlebt 2025 einen bemerkenswerten Aufschwung: Weltweit erreichen sowohl Buyout- als auch Exit-Volumen den zweithöchsten Stand aller Zeiten. Gleichzeitig wächst der Druck auf Renditen und Kapitalbeschaffung. Der aktuelle „Global Private Equity Report 2026“ von Bain & Company zeigt eine Branche, die nach Jahren der Zurückhaltung wieder dynamischer agiert – aber vor tiefgreifenden strukturellen Herausforderungen steht.
Buyouts und Exits erreichen Rekordniveau
2025 legte das weltweite Buyout-Dealvolumen um 44 Prozent auf 904 Milliarden US-Dollar zu. Getrieben wurde dieses Wachstum von außergewöhnlich großen Transaktionen, allen voran der 57 Milliarden US-Dollar schweren Übernahme von Electronic Arts – dem größten Buyout-Deal aller Zeiten. Insgesamt wurden dreizehn Mega-Deals über zehn Milliarden Dollar abgeschlossen, die meisten davon in den USA. Auch in der DACH-Region zog das Marktgeschehen deutlich an: Das Buyout-Volumen stieg auf 61 Milliarden US-Dollar, die vier größten europäischen Deals fanden allesamt in Deutschland statt.
Die Exit-Seite erholte sich ebenfalls. Das weltweite Verkaufsvolumen stieg um 47 Prozent auf 717 Milliarden US-Dollar, getragen von sieben Mega-Exits. Die absolute Anzahl der Exits blieb jedoch leicht rückläufig – ein Zeichen, dass sich viele Fonds weiterhin mit langen Haltedauern schwertun.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Kapitalrückflüsse bleiben niedrig – Fundraising gerät ins Stocken
Trotz steigender Dealaktivität bleiben die Ausschüttungen an Investoren schwach. Laut Bain halten PE-Fonds derzeit 32.000 unverkaufte Beteiligungen mit einem Gesamtwert von 3,8 Billionen US-Dollar. Die durchschnittliche Haltedauer liegt inzwischen bei sieben Jahren. Das belastet das Fundraising: 2025 lag das eingeworbene Kapital mit 395 Milliarden US-Dollar 16 Prozent unter Vorjahr, die Zahl neu aufgelegter Fonds sank um 18 Prozent. Investoren fokussieren sich zunehmend auf etablierte Manager mit klarer Strategie und verlässlicher Performance.
Neue Renditelogik: „12 is the new 5“
Steigende Finanzierungskosten, begrenzter Leverage und hohe Bewertungsmultiples verändern die Wertschöpfungslogik. Während in den 2010er-Jahren ein jährliches EBITDA-Wachstum von 5 Prozent genügte, um attraktive Renditen zu erzielen, braucht es heute 10 bis 12 Prozent. Bain beschreibt diese Verschiebung als neue Faustformel: „12 is the new 5“. Fonds müssen operativ deutlich aktiver werden – von Prozessoptimierungen über Wachstumsprogramme bis zu datengetriebenen Entscheidungen.
Bain-Partner Michael Richthammer betont: „Erfolgreich sind künftig Fonds, die Alpha-Generierung als systematische Kernkompetenz verstehen.“ Differenzierung, Spezialisierung und operative Exzellenz werden zur Voraussetzung, um Investoren langfristig zu überzeugen.
Fonds müssen strategischer und operativer agieren
Verbesserte makroökonomische Rahmenbedingungen – etwa sinkende Zinsen und stabilere Konjunkturaussichten – schaffen 2026 ein günstigeres Umfeld, doch der Wettbewerb um Kapital bleibt hart. Fonds, die Wertschöpfung klar strukturiert, operativ verankert und datengestützt aufsetzen, werden sich im neuen Marktumfeld behaupten können. Die Branche befindet sich in einem Reifeprozess, in dem strategische Klarheit und Umsetzungskraft entscheidender sind als je zuvor.


