Das Bundeskartellamt hat den Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung an der Margarete Steiff GmbH durch die Ravensburger AG freigegeben. Die heute kommunizierte Entscheidung beseitigt die letzte wesentliche regulatorische Hürde für die bereits Mitte Juni angekündigte Transaktion. Ravensburger übernimmt 60 Prozent der Anteile an dem traditionsreichen Plüschtierhersteller, während die Nachfahren der Firmengründerin Margarete Steiff weiterhin wesentlich beteiligt bleiben.
Nach Angaben der Wettbewerbsbehörde bestehen keine kartellrechtlichen Bedenken. Die Produktportfolios der beiden Unternehmen ergänzen sich, ohne sich in relevanten Märkten zu überschneiden. Zudem verfüge der Spielwareneinzelhandel über ausreichend starke Einkaufsstrukturen, sodass keine nachteiligen Auswirkungen auf den Wettbewerb zu erwarten seien.
Ergänzende Marken statt Überschneidungen
Mit Ravensburger und Steiff rücken zwei der bekanntesten deutschen Marken der Spielwarenbranche enger zusammen. Während Ravensburger vor allem für Gesellschaftsspiele, Puzzles, Kinderbücher, Kreativprodukte und Lernsysteme wie „tiptoi“ bekannt ist, steht Steiff seit mehr als 140 Jahren für hochwertige Plüschtiere mit dem charakteristischen „Knopf im Ohr“. Darüber hinaus vertreibt das Unternehmen Baby- und Kinderbekleidung.
Gerade diese unterschiedliche Positionierung war aus Sicht der Kartellbehörde entscheidend. Da beide Unternehmen in unterschiedlichen Produktsegmenten tätig sind, entstehen keine marktbeherrschenden Strukturen. Vielmehr ergänzen sich die Portfolios strategisch und eröffnen Möglichkeiten für gemeinsame Entwicklungen in Vertrieb, Internationalisierung und Markenführung.
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Steiff bleibt eigenständig
Bereits bei der Bekanntgabe der Transaktion hatten beide Unternehmen betont, dass Steiff auch künftig eigenständig am Stammsitz in Giengen an der Brenz geführt werden soll. Die traditionsreiche Marke soll ihre Identität und ihre Premium-Positionierung behalten. Auch der Standort sowie die bestehende Unternehmensführung bleiben erhalten.
Für die Eigentümerfamilie stand nach eigenen Angaben im Mittelpunkt, einen langfristig orientierten Partner zu finden, der die Werte und die Geschichte der Marke fortführt. Ravensburger verfolgt als familiengeführtes Unternehmen eine ähnliche Unternehmensphilosophie und sieht in der Beteiligung vor allem eine strategische Investition mit langfristiger Perspektive.
Wachstum durch Internationalisierung und Synergien
Mit der Freigabe kann Ravensburger nun die angekündigte Partnerschaft umsetzen. Beide Unternehmen wollen ihre internationale Präsenz ausbauen und dabei ihre jeweiligen Stärken nutzen. Während Ravensburger über ein weltweit etabliertes Vertriebsnetz verfügt, bringt Steiff eine international bekannte Premium-Marke mit hoher emotionaler Strahlkraft in den Verbund ein.
Konkrete Synergieprojekte wurden bislang nicht benannt. Denkbar sind jedoch gemeinsame Aktivitäten im internationalen Vertrieb, Marketing sowie bei Lizenzgeschäften und Markenkooperationen. Gleichzeitig betonen beide Unternehmen, dass die Eigenständigkeit der Marke Steiff erhalten bleiben soll.
Strategische Bedeutung für beide Unternehmen
Für Ravensburger ist die Beteiligung Teil einer breiteren Wachstumsstrategie. Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren sein Portfolio kontinuierlich erweitert und setzt neben klassischen Spielen verstärkt auf internationale Marken, Bücher, Sammelkarten sowie innovative Spiel- und Lernkonzepte.
Mit der kartellrechtlichen Freigabe ist die Übernahme nun auch regulatorisch abgesichert. Der Zusammenschluss dürfte die Position beider Traditionsunternehmen im internationalen Spielwarenmarkt stärken, ohne nach Einschätzung der Wettbewerbshüter die Marktverhältnisse in Deutschland wesentlich zu verändern.





