REWE baut sein Geschäft mit schnellen Lebensmittellieferungen deutlich aus und setzt dabei bewusst auf mehrere Plattformpartner. Seit dem 15. September können Kunden in Köln über Wolt bei zunächst fünf REWE-Märkten bestellen und sich den Einkauf innerhalb von maximal einer Stunde liefern lassen. Parallel starten laut Unternehmen vergleichbare Angebote mit Uber Eats in Frankfurt am Main sowie Lieferando in Hamburg und Jena.
Strategisch bemerkenswert ist, dass REWE damit nicht auf einen exklusiven Partner setzt. Der Handelskonzern hält zugleich rund ein Fünftel am Schnelllieferdienst Flink und beliefert das Unternehmen mit einem Teil seines Sortiments. Dennoch öffnet REWE sein Filialnetz zunehmend für konkurrierende Plattformen.
REWE setzt auf ein Multi-Plattform-Modell
Die neue „REWE Sofort-Lieferung“ basiert auf bestehenden Märkten statt auf separaten Dark Stores. Mitarbeiter kommissionieren die Bestellungen direkt in den Filialen, anschließend übernehmen Wolt, Uber Eats oder Lieferando die letzte Meile.
Je nach Markt sollen zwischen 5.000 und 9.000 Produkte verfügbar sein. Dazu gehören Obst und Gemüse, Molkereiprodukte, Tiefkühlware, Convenience-Artikel und weitere Waren des täglichen Bedarfs.
Damit verbindet REWE klassische Supermarktstrukturen mit Plattformlogistik. Der Konzern kann zusätzliche Nachfrage erschließen, ohne selbst flächendeckend neue Kurierkapazitäten aufzubauen.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Flink-Beteiligung macht die Strategie besonders interessant
REWE ist seit 2021 an Flink beteiligt und zählt weiterhin zu den größten Anteilseignern des Quick-Commerce-Anbieters. Gleichzeitig liefert der Handelskonzern zahlreiche Eigenmarken und weitere Produkte an Flink.
Die neue Plattformstrategie zeigt jedoch, dass REWE sein Sofortliefergeschäft nicht ausschließlich auf diesen Partner ausrichten will. Stattdessen entstehen parallele Vertriebswege über Wolt, Uber Eats und Lieferando.
Damit wird Flink für REWE weniger zum exklusiven Zugang zum Quick-Commerce-Markt als zu einem Bestandteil eines breiteren digitalen Vertriebsportfolios.
Filialnetz wird zur dezentralen Fulfillment-Struktur
Ein wichtiger Vorteil liegt im bestehenden stationären Netz. REWE betreibt bundesweit rund 3.800 Märkte, mehr als 2.200 Standorte verfügen bereits über Prozesse für den Abholservice.
Viele Voraussetzungen für Kommissionierung und Bereitstellung digitaler Bestellungen sind damit schon vorhanden.
Anders als klassische Quick-Commerce-Anbieter muss REWE nicht für jede Expansion neue Lagerflächen aufbauen. Stattdessen können geeignete Filialen schrittweise als dezentrale Fulfillment-Standorte für Plattformbestellungen genutzt werden.
Spontane Einkäufe ergänzen den klassischen Lieferservice
Die neue Sofort-Lieferung richtet sich an einen anderen Nutzungsmoment als der klassische REWE-Lieferservice.
Während der normale Online-Einkauf häufig den geplanten Wocheneinkauf abdeckt, sollen Plattformen wie Wolt oder Uber Eats vor allem spontane Bestellungen erreichen. Nach bisherigen Erfahrungen von REWE gehören Obst und Gemüse, Molkereiprodukte und Convenience-Artikel zu den besonders häufig nachgefragten Kategorien.
Damit kann REWE mehrere digitale Einkaufssituationen parallel bedienen: große Warenkörbe über den eigenen Lieferservice, vorbereitete Bestellungen über den Abholservice und spontane Einkäufe über externe Plattformen.
Plattformstrategie reduziert Abhängigkeit von einzelnen Kanälen
Für REWE entsteht damit eine Art Portfolio-Modell für den digitalen Lebensmittelhandel. Der Konzern versucht nicht, jeden Kunden zwingend in die eigene App oder auf REWE.de zu lenken.
Stattdessen wird die Nachfrage dort abgeholt, wo sie bereits entsteht. Gleichzeitig bleibt ein möglichst großer Teil der Wertschöpfung im eigenen Beschaffungs- und Filialsystem.
Noch 2026 soll die Sofort-Lieferung auf weitere Großstädte ausgeweitet werden. Perspektivisch sollen auch kleinere und mittelgroße Städte folgen.
Die Strategie zeigt damit einen grundlegenden Wandel im E-Food: Entscheidend ist für REWE offenbar weniger, über welchen digitalen Kanal eine Bestellung eingeht, sondern ob Sortiment, Kommissionierung und Warenfluss möglichst häufig aus dem eigenen Handelsnetz stammen.




