Beim Schokoladenhersteller Ritter Sport kommt es zu einem Führungswechsel an der Unternehmensspitze. Die Inhaberfamilie übernimmt die operative Leitung des Traditionsunternehmens wieder selbst. Wie das Unternehmen heute mitteilt, führen seit dem 15. Mai die Moritz Ritter und Tim Hoppe gemeinsam als Doppelspitze die Geschäftsführung der Alfred Ritter GmbH & Co. KG.
Der bisherige CEO Andreas Ronken verlässt das Unternehmen nach mehr als zwei Jahrzehnten. Ronken war seit 2015 Vorsitzender der Geschäftsführung und hatte zuvor verschiedene Führungspositionen innerhalb des Unternehmens inne.
Familie übernimmt operative Verantwortung zurück
Mit Cousins Moritz Ritter und Tim Hoppe rücken erstmals seit Jahren wieder Mitglieder der Eigentümerfamilie direkt an die operative Spitze des Unternehmens. Beide gehören der vierten Generation der Gründerfamilie an und waren bislang Vorsitzende des Beirats.
Die neue Doppelspitze begründet den Schritt mit den aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen. Nach eigenen Angaben wolle die Eigentümerfamilie die laufende Transformation des Unternehmens nun unmittelbar begleiten und stärker Verantwortung übernehmen.
Erst vor wenigen Wochen hatte Ritter Sport angekündigt, erstmals in der Unternehmensgeschichte Stellen abzubauen. Betroffen ist insbesondere die Verwaltung, wo rund jede zehnte Stelle wegfallen soll.
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Steigende Kakaopreise belasten Geschäft
Die wirtschaftliche Lage gilt trotz steigender Umsätze als angespannt. Ritter Sport erzielte 2025 nach vorläufigen Angaben einen Umsatz von rund 712 Millionen Euro, meldete jedoch gleichzeitig Verluste in bislang nicht genannter Höhe.
Besonders stark belasteten zuletzt die hohen Rohstoffkosten für Kakao. Die Preise waren in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen und hatten erhebliche Auswirkungen auf die gesamte Schokoladenbranche.
Ritter Sport hatte darauf mit höheren Verkaufspreisen reagiert. Gleichzeitig zeigte sich jedoch eine zunehmende Kaufzurückhaltung der Verbraucher bei Schokoladenprodukten.
Nach Branchenangaben stagnierte zuletzt auch der Absatz, obwohl der Umsatz nominal weiter zulegte.
Internationalisierung und Nachhaltigkeit bleiben zentrale Themen
Unter dem bisherigen CEO Andreas Ronken hatte Ritter Sport den internationalen Ausbau sowie Nachhaltigkeitsinitiativen deutlich vorangetrieben. Dazu gehören unter anderem Investitionen in nachhaltigen Kakaoanbau sowie der Aufbau einer eigenen Kakaofarm in Nicaragua.
Auch die Expansion in internationale Märkte wurde zuletzt intensiviert. Vor wenigen Monaten übernahm Ritter Sport in den USA den Schokoladenhersteller Creative Natural Products mit der Marke Chocolove.
Die USA gelten für das Familienunternehmen als wichtiger Wachstumsmarkt. Parallel investiert Ritter Sport weiterhin in Nachhaltigkeit, Lieferkettenkontrolle und Produktinnovationen.
Schokoladenbranche steht unter Kostendruck
Der Führungswechsel erfolgt in einer Phase wachsender Belastungen für die gesamte Süßwarenindustrie. Neben hohen Rohstoffpreisen sorgen steigende Energie-, Verpackungs- und Logistikkosten für Druck auf die Margen vieler Hersteller.
Gleichzeitig verändert sich das Konsumverhalten. Verbraucher reagieren sensibler auf Preissteigerungen und greifen bei höheren Preisen häufiger zu günstigeren Alternativen.
Für Ritter Sport geht es daher zunehmend darum, Wachstum, Markenpositionierung und Kostendisziplin miteinander zu verbinden. Die Rückkehr der Eigentümerfamilie an die operative Spitze soll dabei helfen, den laufenden Umbau enger zu steuern und strategische Entscheidungen schneller umzusetzen.
Trotz der aktuellen Belastungen bleibt das Unternehmen international expansiv ausgerichtet und setzt weiterhin auf nachhaltige Produktion sowie langfristige Markenentwicklung.




