Unternehmen weltweit investieren Milliarden in Künstliche Intelligenz – doch der ökonomische Mehrwert bleibt häufig hinter den Erwartungen zurück. Die neue Roland-Berger-Studie „The AI Value Gap“ zeigt: Nahezu 90 Prozent der befragten Unternehmen erzielen bislang geringere finanzielle Erträge, als es ihre KI-Ausgaben vermuten lassen. Die Gründe liegen weniger in mangelnden Ambitionen oder Ressourcen, sondern in fehlenden Fähigkeiten, KI systematisch und geschäftsrelevant zu verankern.
Warum der Wert von KI in vielen Organisationen ungenutzt bleibt
Drei zentrale Hindernisse prägen laut Studie die aktuelle Situation. Erstens steuern viele Unternehmen ihre KI-Aktivitäten ohne belastbare Erfolgsmessung. 63 Prozent verlassen sich auf Einmal-Analysen oder Intuition, statt Nutzen und Effizienz kontinuierlich zu überwachen. Zweitens entstehen Zielkonflikte: Organisationen wünschen sich maximale Autonomie, priorisieren aber gleichzeitig höchste Sicherheit – was zu Blockaden führt und sogenannte „Shadow-AI“ begünstigt. Drittens werden moderne KI-Tools zwar beschafft, aber kaum tief in bestehende Systeme integriert. Diese Fragmentierung behindert vor allem KI-Agenten, die nur in vernetzten Strukturen zuverlässig arbeiten können.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
„Ferrari-Technologie auf Go-Kart-Infrastruktur“
Roland-Berger-Technologiechefin Maria Mikhaylenko bringt die Problematik prägnant auf den Punkt: Unternehmen investieren in hochleistungsfähige KI, stellen jedoch keine kompatible Infrastruktur bereit. KI sei keine fertige Lösung, sondern eine Fähigkeit, die organisationsweit aufgebaut und weiterentwickelt werden müsse.
DACH-Unternehmen im internationalen Vergleich deutlich zögerlicher
Besonders ins Auge fällt die Position der DACH-Region. Viele Unternehmen beobachten die Entwicklung, experimentieren in kleinen Projekten und priorisieren Sicherheit über Skalierung. Der wirtschaftliche Nutzen bleibt entsprechend begrenzt. Japan zeigt hingegen, wie eine klare Governance, konsequente Integration und kontinuierliche Erfolgsmessung zu spürbarem Mehrwert führen: Dort profitieren Unternehmen bereits viermal so häufig finanziell von KI wie in der DACH-Region.
Breite Datenbasis über Branchen und Regionen hinweg
Für die Analyse wurden 203 Führungskräfte aus Europa, den USA und Japan befragt. Die Teilnehmenden decken zentrale Wirtschaftsbereiche ab – von Konsumgütern und Gesundheitswesen über Energie, Finanzdienstleistungen und Industrie bis hin zu Technologie und Telekommunikation. Ein Drittel der Befragten kommt aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.


