Der Tarifkonflikt im deutschen Einzel- und Versandhandel geht in die nächste Eskalationsstufe. Während am heutigen Freitag in Baden-Württemberg rund 850 Beschäftigte ihre Arbeit niedergelegt haben, setzt die Gewerkschaft ver.di die Warnstreiks am Samstag nicht nur im Südwesten fort, sondern weitet die Proteste auch auf Hessen aus. Hintergrund ist der festgefahrene Tarifstreit, nachdem die Arbeitgeber bundesweit weitere Verhandlungstermine bis Mitte August abgesagt haben.
Rund 850 Beschäftigte streiken in Baden-Württemberg
Nach Angaben von ver.di beteiligen sich am Freitag Beschäftigte aus Stuttgart und Umgebung, Karlsruhe und Umgebung, Heilbronn und Umgebung sowie Freiburg, Konstanz und weiteren Standorten an den Arbeitsniederlegungen. Betroffen sind unter anderem Filialen und Standorte von Kaufland, Ikea, Primark, H&M, COS, Zara und OBI.
Mit den Warnstreiks will die Gewerkschaft den Druck auf die Arbeitgeberseite erhöhen. Bereits die dritte Tarifrunde am 8. Juli in Sindelfingen endete ohne Einigung. Ein neuer Verhandlungstermin wurde bislang nicht vereinbart. Auch am Samstag sollen die Arbeitsniederlegungen in Baden-Württemberg fortgesetzt und auf weitere Betriebe ausgeweitet werden.
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Hessen zieht nach: Protest gegen abgesagte Verhandlungen
Am Samstag werden erstmals auch zahlreiche Beschäftigte des hessischen Einzel- und Versandhandels zu Warnstreiks aufgerufen. Regionale Aktionen sind laut ver.di unter anderem in Frankfurt und der Region, Wiesbaden, Kassel sowie Südhessen geplant.
Auslöser ist nach Angaben von ver.di die Entscheidung der Arbeitgeberverbände, bundesweit sämtliche bereits bestehenden Verhandlungstermine bis Mitte August abzusagen. Die Gewerkschaft wirft den Arbeitgebern eine Verzögerungstaktik vor und sieht darin eine weitere Zuspitzung des Tarifkonflikts.
Der hessische ver.di-Verhandlungsführer Marcel Schäuble kritisierte, die Beschäftigten benötigten angesichts der hohen Lebenshaltungskosten rasch spürbare Einkommensverbesserungen. Die Hinhaltetaktik der Arbeitgeber sei weder angemessen noch wertschätzend. Zudem bleibe das bisherige Angebot deutlich unter der Inflation.
Forderungen und Angebote liegen weiter deutlich auseinander
In Baden-Württemberg fordert ver.di die Erhöhung der Löhne und Gehälter um 300 Euro, 150 Euro mehr Ausbildungsvergütung und eine Laufzeit von 12 Monaten.
Die Arbeitgeber bieten dagegen 2,4 Prozent mehr Entgelt ab 1. Oktober 2026 (nach sechs Nullmonaten), weitere 2 Prozent ab 1. Juli 2027, entsprechende Erhöhung der Ausbildungsvergütungen und eine Laufzeit von 24 Monaten
In Hessen verlangt ver.di 250 Euro mehr Lohn und Gehalt, 150 Euro mehr Ausbildungsvergütung und Laufzeit von 12 Monaten
Die Gewerkschaft argumentiert, die Arbeitgeberangebote führten angesichts der Preisentwicklung zu weiteren Reallohnverlusten. Zudem kritisiert sie, dass einzelne Entgeltgruppen teilweise unterhalb des gesetzlichen Mindestlohns liegen würden. Die Arbeitgeber verweisen dagegen auf die schwierige wirtschaftliche Lage vieler Handelsunternehmen, zurückhaltende Konsumausgaben und steigende Kostenbelastungen.
Bundesweiter Tarifkonflikt gewinnt an Dynamik
Der Konflikt beschränkt sich inzwischen längst nicht mehr auf einzelne Bundesländer. Nach dem Scheitern weiterer Tarifgespräche haben Arbeitgeber in mehreren Tarifgebieten Verhandlungstermine ausgesetzt. Gleichzeitig kündigt ver.di an, die Arbeitskampfmaßnahmen bundesweit zu koordinieren und bei ausbleibenden Fortschritten weiter auszubauen. Damit dürfte der Druck auf beide Tarifparteien in den kommenden Wochen weiter steigen – insbesondere in einer Branche, die auf das umsatzstarke Sommergeschäft angewiesen ist.






