Der Handelsverband Deutschland (HDE) unterstützt die geplanten Eckpunkte für ein nationales Textilgesetz, sieht jedoch Nachbesserungsbedarf bei der konkreten Ausgestaltung. Insbesondere mittelständische Unternehmen sollen vor übermäßiger Bürokratie und finanzieller Belastung geschützt werden.
Erweiterte Herstellerverantwortung im Zentrum
Kern des Vorhabens ist die Einführung einer erweiterten Herstellerverantwortung. Künftig sollen Produzenten und Händler von Textilien an den Kosten für Sammlung, Sortierung und Verwertung von Alttextilien beteiligt werden. Damit setzt Deutschland europäische Vorgaben zur Förderung der Kreislaufwirtschaft in nationales Recht um.
Aus Sicht des HDE bietet dieses System grundsätzlich sinnvolle Ansätze und knüpft an bestehende Modelle aus anderen Branchen an. Gleichzeitig betont der Verband, dass klare Strukturen und transparente Finanzierungsmechanismen notwendig sind, um eine reibungslose Umsetzung zu gewährleisten.
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Ambitionierte Zielvorgaben
Die geplanten Regelungen sehen hohe Quoten vor: 70 Prozent der Alttextilien sollen gesammelt, 85 Prozent recycelt und insgesamt 95 Prozent verwertet werden. Diese Zielmarken bedeuten eine deutliche Verschärfung gegenüber der bisherigen Praxis und sollen den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen stärken.
Der HDE bewertet diese Ziele als richtungsweisend, mahnt jedoch eine realistische und wirtschaftlich tragfähige Umsetzung an. Ohne praktikable Lösungen drohten Ineffizienzen und Wettbewerbsnachteile.
Mittelstand darf nicht überfordert werden
Ein zentrales Anliegen des Verbands ist die Entlastung kleiner und mittelständischer Unternehmen. Die Umsetzung des Gesetzes müsse so gestaltet werden, dass administrative Anforderungen und Kosten in einem angemessenen Verhältnis bleiben.
Der HDE fordert daher ein schlankes, praxisnahes System, das von der Wirtschaft mitgetragen werden kann. Nur so lasse sich eine breite Akzeptanz sicherstellen und die gewünschte Wirkung erzielen.
Chance für Innovation und Kreislaufwirtschaft
Trotz der Kritik sieht der Verband im Textilgesetz auch Potenzial für Fortschritte. Die neuen Vorgaben könnten Innovationen im Recycling sowie nachhaltigere Produktionsprozesse fördern. Langfristig eröffnen sich dadurch auch wirtschaftliche Chancen für Unternehmen.
Mit dem Gesetz würde Deutschland einen weiteren Schritt hin zu einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft machen. Entscheidend bleibt jedoch, dass politische Ziele und wirtschaftliche Realität in Einklang gebracht werden.


