Eine neue Umfrage im Auftrag der Albert Schweitzer Stiftung zeigt, wie groß das Misstrauen der Verbraucher gegenüber den Tierwohl-Versprechen des Lebensmitteleinzelhandels ist. Befragt wurden 2.500 Menschen in Deutschland durch das Meinungsforschungsinstitut Civey. Die Ergebnisse sind repräsentativ und zeichnen ein deutlich kritisches Bild.
Deutliches Misstrauen gegenüber Supermärkten
Nur 1,9 % der Befragten gaben an, den Supermärkten beim Thema Tierwohl „auf jeden Fall“ zu vertrauen, weitere 9,7 % äußerten „eher“ Vertrauen. Dem steht eine Mehrheit von 61,5 % gegenüber, die wenig oder gar kein Vertrauen haben. 26,9 % sind unentschlossen. Damit vertrauen insgesamt nur 11,6 % den Versprechen des Handels.
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Edeka schneidet besonders schwach ab
Auch Marktführer Edeka konnte nicht überzeugen: Lediglich 14,4 % der Befragten zeigen Vertrauen in dessen Tierwohl-Versprechen, 46,4 % sind unentschieden und 39,2 % misstrauen dem Händler klar. Dabei steht Edeka seit Längerem im Fokus von Kritikern wie Greenpeace und der Albert Schweitzer Stiftung, die Missstände in den Lieferketten des Unternehmens anprangern.
Zunehmender gesellschaftlicher Druck
Parallel zur Umfrage haben mehr als 68.000 Menschen einen Appell gegen Edekas Umgang mit Masthühnern unterschrieben. Sie fordern, dass der Händler sich von den niedrigsten Haltungsformen verabschiedet und sich klar zu höheren Standards bekennt. Irina Fronescu von der Albert Schweitzer Stiftung betont, dass die Verbraucher die Werbekampagnen von Edeka durchschauen: „Das ist eine klare Rüge an den Händler.“
Verantwortung des Marktführers
Kritiker wie die Albert Schweizer Stiftung werfen Edeka vor, seine Marktmacht nicht zu nutzen, um Verbesserungen beim Tierschutz voranzutreiben. Während andere Handelsketten bereits konkrete Maßnahmen ergriffen haben, verweigere Edeka laut der Stiftung verbindliche Zusagen und verweise auf Politik, Betriebe und Konsumenten. Dabei besitzt das Unternehmen 15 eigene Fleischwerke und produziert jährlich über eine halbe Million Tonnen Fleisch. Mit diesem Einfluss könnte Edeka maßgeblich die Umstellung auf höhere Haltungsformen unterstützen.


