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Tarifkonflikt im Handel eskaliert: ver.di kündigt bundesweite Streiks an

Schilder eines verdi Streiks in Berlin
Foto: Fotandy / depositphotos.com

Key takeaways

Neue bundesweite Warnstreiks im Handel verschärfen den Tarifkonflikt. Ver.di fordert deutlich höhere Löhne, während Arbeitgeber nur geringe Steigerungen anbieten. Die Fronten bleiben verhärtet - eine Annäherung ist vorerst nicht in Sicht.

Lesezeit ca. 3 Minuten

Die Tarifrunde im deutschen Handel spitzt sich nach zuletzt in mehreren Bundesländern geplatzten Verhandlungen weiter zu. Mit bundesweiten Warnstreiks im Einzelhandel sowie im Groß- und Außenhandel erhöht die Gewerkschaft ver.di den Druck auf die Arbeitgeberseite. Tausende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden am Donnerstag und Freitag in allen Bundesländern die Arbeit niederlegen, wie die Gewerkschaft heute ankündigt. Großkundgebungen sind unter anderem in Kiel, Erfurt, Berlin, Bochum und Saarbrücken geplant.

Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgt der Auftritt von Silke Zimmer, im ver.di-Bundesvorstand für den Handel zuständig, die in Kiel und Erfurt zu den Streikenden sprechen wird.

Konflikt mit Ansage

Aus Sicht der Gewerkschaft ist die Tarifrunde mit einem „Eklat“ gestartet. Die Arbeitgeber hätten lediglich minimale Entgelterhöhungen angeboten – deutlich unterhalb der aktuellen Inflationsrate. Für ver.di bedeutet das real einen weiteren Kaufkraftverlust für die Beschäftigten.

Tatsächlich ist die reale Einkommensentwicklung im Handel bereits seit Jahren angespannt. Trotz zwischenzeitlich höherer nominaler Tarifabschlüsse wurde ein großer Teil der Zuwächse durch die Inflation aufgezehrt. Nach Einschätzung der Gewerkschaft liegt die Kaufkraft vieler Beschäftigter weiterhin unter dem Niveau von 2020.

Zimmer spricht in diesem Zusammenhang von einer „bodenlosen Frechheit“. Während Unternehmen ihre Umsätze und Gewinne steigern konnten, seien die Beschäftigten weiterhin mit realen Einkommensverlusten konfrontiert. Besonders betroffen sind Frauen und Teilzeitkräfte, die im Handel überdurchschnittlich vertreten sind und häufig unfreiwillig in reduzierten Arbeitsverhältnissen arbeiten.

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Forderung: Sieben Prozent – mindestens 225 Euro

Ver.di verhandelt derzeit in 16 Tarifgebieten des Einzelhandels sowie in 20 Tarifgebieten des Groß- und Außenhandels. Die zentrale Forderung umfasst eine Entgelterhöhung von sieben Prozent, mindestens jedoch 225 Euro pro Monat, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.

Die bisherigen Angebote der Arbeitgeber bleiben deutlich darunter. Im Groß- und Außenhandel wird eine Erhöhung um insgesamt 3,4 Prozent vorgeschlagen – allerdings bei einer Laufzeit von 24 Monaten, wodurch sich die reale Wirkung entsprechend relativiert.

Im Einzelhandel sieht das Angebot zunächst sechs Monate ohne Erhöhung vor, gefolgt von zwei Prozent und später weiteren 1,5 Prozent – ebenfalls bei einer Laufzeit von 24 Monaten. Im ersten Jahr würde dies faktisch nur etwa einem Prozent Einkommenszuwachs entsprechen. Dennoch warnt der Handelsverband Deutschland (HDE) regelmäßig vor überzogenen Forderungen, die letztlich Arbeitsplätze gefährden würden.

Für die Gewerkschaft ist dieses Angebot nicht verhandlungsfähig. Mit den ausgeweiteten Warnstreiks soll der Druck erhöht werden, um ein deutlich verbessertes Angebot zu erzwingen.

Milliarden-Gewinne als Argument

Ver.di stützt ihre Position auf die wirtschaftliche Lage der Branche. Nach Angaben der Gewerkschaft erwirtschaftete der Einzelhandel zuletzt rund 25 Milliarden Euro Gewinn, der Groß- und Außenhandel sogar knapp 58 Milliarden Euro.

Zwar ist der Handel strukturell heterogen – vom großen Filialkonzern bis zum mittelständischen Großhändler –, doch insbesondere größere Handelsgruppen konnten ihre Ergebnisse in den vergangenen Jahren vielfach stabilisieren oder ausbauen. Vor diesem Hintergrund stoßen die aktuellen Arbeitgeberangebote auf scharfe Kritik.

Weitere Eskalation möglich

Die kommenden Tage dürften richtungsweisend für den weiteren Verlauf der Tarifrunde sein. Sollten sich die Positionen nicht annähern, ist eine weitere Ausweitung der Arbeitskampfmaßnahmen wahrscheinlich.

Für Verbraucher könnten die Streiks spürbare Folgen haben – etwa bei Lieferketten, Warenverfügbarkeit oder Servicezeiten. Gleichzeitig steht der Handel vor einer übergeordneten Herausforderung: In einer Phase wirtschaftlicher Unsicherheit wird zunehmend hinterfragt, wie die Wertschöpfung zwischen Unternehmen und Beschäftigten verteilt wird.

Damit ist der Konflikt nicht nur tarifpolitisch relevant, sondern auch ein Gradmesser für die soziale Balance innerhalb der Branche.

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