Die deutsche Wirtschaft steht vor ernsthaften strukturellen Herausforderungen. Peter Adrian, Präsident der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), warnt gegenüber dpa eindringlich vor einem langfristigen wirtschaftlichen Rückgang, sollte die Bundesregierung nicht rasch Reformen umsetzen. Ausbleibendes Wachstum, sinkende Investitionen und ein zunehmender Arbeitsplatzabbau zeichnen ein besorgniserregendes Bild.
Adrian sieht den Handlungsspielraum des Staates schwinden: „Wenn wir nicht jetzt alle Signale auf Wachstum stellen, geraten wir international ins Hintertreffen.“ Bereits 2023 und 2024 schrumpfte die Wirtschaftsleistung, auch für 2025 und 2026 wird keine nennenswerte Erholung erwartet.
Industrie im Rückwärtsgang
Besonders die Industrie ist stark betroffen. Innerhalb eines Jahres gingen dort rund 170.000 Arbeitsplätze verloren. Die Investitionen sind auf dem Stand von 2015 – ein verlorenes Jahrzehnt. Die Lage sei laut Adrian ein Spiegelbild des mangelnden Vertrauens in die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands.
Branchen wie die Grundstoffindustrie leiden unter hohen Energiekosten, während Automobilhersteller und Zulieferer zusätzlich mit Unsicherheiten in der Handelspolitik kämpfen. Auch der Maschinenbau, traditionell ein Rückgrat der deutschen Wirtschaft, sieht sich mit einer Investitionsflaute und globalen Störungen konfrontiert – darunter drohende US-Zölle.
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Reformdruck auf die Ampel-Regierung
Der Präsident der DIHK verweist auf hohe Arbeitskosten und eine zu langsame Umsetzung von Reformen. Trotz der Ankündigung von Kanzler Friedrich Merz, strukturelle Veränderungen anzugehen, fehle es an geschlossenem Handeln innerhalb der Regierungskoalition. „Oft steht ein Koalitionspartner auf der Bremse“, kritisierte Adrian.
Konkret fordert er die Vorziehung der für 2028 geplanten Unternehmenssteuerreform sowie eine Reduzierung der Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß – und das für alle Verbrauchergruppen. Nur so lasse sich die internationale Wettbewerbsfähigkeit wiederherstellen.


