Zalando will das hartnäckige Größenproblem im Onlinehandel durch eine technische Innovation lösen: Ab 2026 wird die virtuelle Umkleidekabine flächendeckend eingeführt. Die Ankündigung erfolgte im Rahmen der Copenhagen Fashion Week, wo der Berliner E-Commerce-Konzern seine Pläne im Rahmen eines Panels präsentierte. Basis für den Rollout sind mehrjährige Pilotprojekte, Fortschritte in der 3D-Visualisierung und neue Erkenntnisse zur Wirkung digitaler Avatare.
Fortschritte bei Passform und Retourenquote
Die Herausforderung bei virtuellen Anproben liegt in der enormen Vielfalt menschlicher Körper und den unterschiedlich ausfallenden Schnitten der Kleidungsstücke. Laut Pelin Anli Bedirhanoglu, Director of Product Management bei Zalando, sei dies lange ein zentrales Hindernis gewesen. Inzwischen aber ermögliche die Kombination aus 3D-Renderings, datengestützten Größenempfehlungen und echten Nutzerbewertungen eine verlässliche virtuelle Anprobe. In Tests mit ausgewählten Marken – darunter auch Levi’s – konnte Zalando die Retourenquote bei Jeans um bis zu 40 Prozent senken. Für Händler ein entscheidender Vorteil in Zeiten hoher Logistikkosten und wachsender Nachhaltigkeitsansprüche.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Psychologischer Effekt: Vom Spiegelbild zur Stilfeinordnung
Neben der technischen Umsetzbarkeit gewinnt die psychologische Wirkung digitaler Abbilder an Bedeutung. Die Psychologin Dr. Helena Lewis-Smith wies auf mögliche Risiken hin: Virtuelle Avatare könnten zu Vergleichen führen und Unsicherheiten verstärken, wenn sie als vorteilhafter als das reale Selbst wahrgenommen werden. Zalando reagiert darauf mit abstrahierten Darstellungen, die vorrangig funktionale Orientierung bieten. „Niemand möchte seinen nackten Avatar sehen“, betonte Bedirhanoglu.
Stilpräferenzen beeinflussen die Technik
Zalando hat erkannt, dass Passform nicht allein eine Frage von Maßen ist. Auch der individuelle Stil spielt eine Rolle. Zwei Menschen mit identischer Figur können sich völlig unterschiedlich kleiden wollen – von figurbetont bis oversized. Deshalb kombiniert das Unternehmen die technische Größenhilfe mit Community-Bildern, Erfahrungsberichten und Styling-Tipps. Die virtuelle Umkleide wird damit zum hybriden Beratungstool, das Daten und modische Entscheidungen zusammenführt.
Größentabelle war gestern
Der flächendeckende Rollout markiert zugleich eine Abkehr von der klassischen Größentabelle. Statt auf standardisierte Angaben zu setzen, verknüpft Zalando künftig individuelle Körperdaten, Markenbesonderheiten und persönliche Stilvorlieben. Ziel ist es, das oft frustrierende Raten der richtigen Größe im Onlinehandel zu beenden – zugunsten einer personalisierten, effizienten und nachhaltigeren Einkaufserfahrung.


