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BEITRAG

Richemont: Gruppe wächst – Yoox Net-A-Porter jedoch mit deutlichem Umsatzrückgang

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Foto: Richemont

Richemont, einer der weltweit führenden Luxusgüterkonzerne, hat seine Finanzergebnisse für das dritte Quartal und die ersten neun Monate des aktuellen Geschäftsjahres bis einschließlich Dezember 2023 veröffentlicht. Trotz der anhaltenden globalen wirtschaftlichen und geopolitischen Unsicherheiten konnte das Unternehmen auf Gruppen-Ebene ein solides Wachstum vorweisen. Im dritten Quartal stieg der Umsatz um 8% auf konstanten Wechselkursen und um 4% auf aktuellen Wechselkursen, was zu einem Gesamt-Umsatz von 5,6 Milliarden Euro führte.

Richemont Umsätze von October bis Dezember 2023 nach Region und Kanal

Eine detaillierte Betrachtung zeigt, dass – mit Ausnahme der eigenen E-Commerce Kanäle und Yoox Net-A-Porter – das Umsatzwachstum in fast allen Regionen verzeichnet wurde. Im asiatisch-pazifischen Raum verzeichnete Richemont ein Umsatzwachstum von 13%, angeführt von einem 25%igen Anstieg der Verkäufe in Festlandchina, Hongkong und Macau. Trotz einer geringeren Touristenausgabe, insbesondere von amerikanischen Kunden, in Europa, wurde dies durch eine widerstandsfähige Wirtschaft und eine verstärkte lokale Nachfrage in Amerika ausgeglichen, was dort zu einem Umsatzwachstum von 8% führte. Japan erlebte mit 18% das stärkste Umsatzwachstum, unterstützt durch steigende einheimische Verkäufe und kräftige touristische Ausgaben, insbesondere von chinesischen Kunden. Der Mittlere Osten und Afrika verzeichneten ebenfalls eine positive Entwicklung mit einem Anstieg von 10%, getragen von einer robusten lokalen und touristischen Nachfrage, besonders in den VAE und Saudi-Arabien​​.

Während alle Vertriebskanäle Wachstum verzeichneten, war die eigene Online-Einzelhandelssparte die einzige Ausnahme mit einem Rückgang von 5%. Der Einzelhandelsvertrieb hingegen zeigte eine starke Leistung mit einem Anstieg von 11%, wobei die Schmuckhäuser und Spezialisten für Uhren einen wesentlichen Beitrag leisteten und ihren Anteil an den Gesamtumsätzen des Konzerns auf 71% erhöhten. Die Großhandelsverkäufe stiegen um 4%, getrieben durch starke Verkäufe in den Schmuckhäusern, die eine schwächere Leistung in anderen Gruppenbereichen teilweise kompensierten​​.

Die drei Schmuckhäuser von Richemont – Buccellati, Cartier und Van Cleef & Arpels – zeigten mit einem Umsatzanstieg von 12% die stärkste Leistung, unterstützt durch solide Schmuck- und Uhrenverkäufe. Der Bereich der Spezialisten für Uhrenmacher verzeichnete einen Anstieg von 3%, was vor allem auf eine starke Einzelhandelsleistung zurückzuführen ist, während der Bereich ‚Andere‘, hauptsächlich bestehend aus Mode- und Accessoirehäusern, einen leichten Rückgang von 1% verzeichnete, was jedoch durch ein mittleres einstelliges Wachstum im Einzelhandel größtenteils ausgeglichen wurde​​.

Besonders bemerkenswert ist, dass die YOOX NET-A-PORTER Gruppe (Yoox, Net-A-Porter, Mr.Porter und The Outnet), die als sogenannte „‚Discontinued operations‘ bei Richemont geführt werden, einen Umsatzrückgang von 11% zu konstanten Wechselkursen (-14% zu aktuellen Wechselkursen) für die drei- und neunmonatigen Perioden bis Dezember 2023​​ hinnehmen mussten.

Zusätzlich zur soliden Handelsleistung konnte Richemont seine Netto-Cash-Position weiter auf 6,8 Milliarden Euro verbessern, was nicht zuletzt auf den Erlös aus der Ausübung von Optionsscheinen aus dem Jahr 2020 im Rahmen des aktienbasierten Treueprogramms für Aktionäre zurückzuführen ist. Auf operative Ergebniszahlen ist Richemont dagegen nicht weiter eingegangen.

Während Richemont zusammenfassend in fast allen Bereichen beeindruckende Umsatzsteigerungen verzeichnete, stand und steht YOOX NET-A-PORTER (YNAP) jedoch vor besonderen Herausforderungen. Die einstigen Pioniere im Bereich des Online-Luxus-Einzelhandels sahen sich mit einem deutlichen Umsatzrückgang konfrontiert, was die anhaltenden Schwierigkeiten widerspiegelt, mit denen Online-Pure-Player konfrontiert sind.

Erst im Dezember ist zudem der Deal mit Farfetch zur Übernahme von YNAP geplatzt – so die offiziell kürzlich erfolgte Aufkündigung der Vereinbarungen zwischen Richemont, Farfetch und Symphony Global. Farfetch wurde letztlich vom südkoreanischen E-Commerce Konzern Coupang gekauft. Die ursprünglichen Verträge sahen neben dem Verkauf einer Mehrheitsbeteiligung die Integration von FARFETCH Platform Solutions (FPS) durch die Richemont Maisons und YNAP vor. Das vorläufige Ende dieser strategischen Partnerschaften bedeutet für Richemont und insbesondere für YNAP eine Phase der Neubewertung. In dieser Umbruchphase wird Richemont die Stärken und das Potenzial von YNAP unter neuer Führung neu bewerten, so das Unternehmen.

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