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Steigende Frachtraten und Lieferkettenkrise: Die neue Normalität im globalen Handel

Seefrachter in einem Hafen
Foto: Pexels / Martin Damboldt

Die Containerreederei Hapag Lloyd verzeichnet eine steigende Nachfrage nach Transportkapazitäten in der Seefracht, welche sich deutlich verknappt haben. Wie der Logistik-Watchblog treffend beschreibt, erinnert ein Blick auf die aktuelle Situation in der Containerschifffahrt an die Hochzeiten der Corona-Pandemie. In den letzten Wochen kam es an wichtigen Drehkreuzen nicht nur zu Überlastungen, sondern – etwa in einigen chinesischen Häfen – auch wieder zu Schiffsstaus, wodurch die Containerkapazitäten erneut knapp werden.

Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach den Transporten. Seit Anfang Mai beobachtet die deutsche Reederei Hapag Lloyd eine Zunahme der Buchungen. Auch der Chef der Reederei Maersk warnt vor Engpässen. Gründe für die höhere Nachfrage gibt es mehrere, jedoch dürfte die Nachfrage vor allem mit den Vorbereitungen für das Weihnachtsgeschäft zu tun haben. Unter anderem stocken große US-Händler wie Walmart oder Target jetzt ihre Lager auf. Reederei-Kunden ziehen Lieferungen vor, um in der Peak-Saison entsprechend vorbereitet zu sein, auch weil man verbraucherseitig mit einer höheren Nachfrage rechnet.

Letzte Woche lag laut Reuters der Spotpreis für den Versand eines 40-Fuß-Containers von China nach Nord-Europa bei 4.615 US-Dollar, fast 3,5 Mal höher als am 1. Mai, aber unter dem Allzeithoch von 14.407 US-Dollar im Januar 2022, so Sand. Der Preis für die Strecke von China an die US-Ostküste betrug 6.061 US-Dollar, verglichen mit 2.772 US-Dollar am 1. Mai.

Die Hafenüberlastung in China und anderen asiatischen Ländern belastet den ohnehin schon angespannten Container-Schifffahrtsmarkt, der unter Platz- und Ausrüstungsmangel leidet, berichtete der Analysedienst Linerlytica. Singapur, der zweitgrößte Containerhafen der Welt, erlebt derzeit erhebliche Verzögerungen. Einige Schiffe überspringen dort Anläufe, was die Fahrpläne in den nachgelagerten Häfen durcheinanderbringt.

Hapag-Lloyd-Chef Habben Jansen erklärte im Rahmen einer Presseveranstaltung: „Die Leute wollen auf der sicheren Seite sein.“ Es gebe Unsicherheiten, wie die zweite Jahreshälfte verlaufe. „Die ganze Situation wird nicht besser, weil alle anfangen, denselben Container zwei oder drei Mal zu buchen.“

Auch der Chef der Reederei Maersk, Vincent Clerc, rechnet mit Verzögerungen in den globalen Lieferketten: „Was die Situation in der globalen Lieferkette wirklich verschlimmern kann, ist dieser Ansturm auf die Kunden, bei dem jeder anfängt, mehr zu bestellen, als er braucht. Das führt zu diesem Peitscheneffekt“, sagte er der Financial Times. Jeder Versuch der Einzelhändler, ihre Waren früher zu erhalten, würde kontraproduktiv ausfallen: „Um Verzögerungen zu vermeiden, gibt es weitere Verzögerungen“, mahnt Clerc.

Ein weiterer Einflussfaktor auf die Frachtraten ist die Krise im Roten Meer. Die Spot-Frachtraten sind im vergangenen Monat um zwei Drittel gestiegen. Zuletzt waren sie Anfang Januar aufgrund der Angriffe der Huthi-Rebellen aus dem Jemen auf höherem Niveau, weil Schiffe auf die Route über den Süden Afrikas ausweichen mussten. Die Frachtraten hatten sich im März und April eigentlich normalisiert. Die Situation im Roten Meer bleibt jedoch ein größerer Risikofaktor und führt in Kombination mit der hohen Nachfrage zu den neuerlichen Frachtratensteigerungen.

Der Trend zu den Teuerungen soll anhalten, da beispielsweise auch Lieferungen aus der Industrie, die sich vor Zollerhöhungen sorgt, derzeit die Nachfrage nach Transportkapazitäten weiter erhöhen. Ob die Probleme so groß werden könnten wie in Zeiten der Corona-Pandemie, bleibt abzuwarten. „Vor drei Monaten hätte ich gesagt, das sei nicht möglich. Jetzt würde ich sagen, es ist möglich, aber unwahrscheinlich“, so der Maersk-CEO Clerc. Er erwartet frühestens, ebenso wie Hapag-Lloyd-Chef Jansen, erst zum Jahresende eine Entspannung.

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