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BEITRAG

Trotz Wachstum unterdurchschnittliche Löhne im Distanzhandel

Illustration von Gehaltsunterschieden im E-Commerce und Versandhandel
Foto: Gerd Altmann / Pixabay

Das Wachstum des Internet- und Versandeinzelhandels in Deutschland steht in starkem Kontrast zu den stagnierenden Löhnen der dort Beschäftigten. Ein Bericht des Spiegels, basierend auf Daten des Bundesarbeitsministeriums, legt offen, dass das mittlere Bruttomonatseinkommen der sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten in dieser Branche im Jahr 2022 bei lediglich 2.952 Euro lag. Im Vergleich dazu erreichte das Medianeinkommen über alle Branchen hinweg 3.646 Euro.

Besonders alarmierend ist, dass fast ein Drittel der Beschäftigten im Internet- und Versandeinzelhandel im Niedriglohnbereich angesiedelt ist, was deutlich unter dem Durchschnitt der Gesamtwirtschaft liegt. Trotz eines Umsatzanstiegs von knapp 70,5 Milliarden Euro auf 120 Milliarden Euro zwischen 2018 und 2021, spiegelt sich diese positive Entwicklung nicht in den Gehältern der Angestellten wider: Zwischen 2018 und 2021 ist das mittlere Bruttomonatseinkommen nur um acht Prozent gestiegen. 

Nicht Teil der Antwort des Bundesarbeitsministeriums ist, dass die Spreizung zwischen Management, Führungskräften und Angestellten oftmals enorm ist. Wo C-Level Positionen bei börsennotierten Händlern und Herstellern 7-stellige Gehälter beziehen können, Führungskräfte in der Regel mit zwischen 100.000-200.000 Euro pro Jahr dotiert werden, erhalten Mitarbeitende in Logistik und Call-Centern oftmals nur Mindestlohn. Da die Operations-Bereiche im E-Commerce den Löwenanteil stellen, verwundern die niedrigen Durchschnittsgehälter dadurch nicht.

Dieser Bericht wirft letztlich ein Schlaglicht auf die Diskrepanz zwischen dem die letzten Jahre starken Wachstum einer Branche und dem Gehaltsniveau der Beschäftigten. Die Bundestagsabgeordnete Susanne Ferschl von der Partei Die Linke fordert daher dringend Maßnahmen zur Verbesserung der Situation. Ihre Vorschläge umfassen eine Erhöhung des Mindestlohns auf 14 Euro und eine stärkere Tarifbindung, um die Einkommensschere zu schließen und die „Ausbeutung in Branchen wie dieser“ zu beenden. Zudem betont sie die Notwendigkeit, Minijobs in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen zu überführen.

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