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Signa-Update: Immobilien-Ausverkauf und Insolvenzantrag von René Benko

Bauzaun einer unterbrochenen Baustelle im Zuge der Signa-Insolvenz
Foto: Markus Günter / Retail-News Deutschland

Die Insolvenzwelle der Signa-Gruppe erschüttert weiter die Immobilien- und Einzelhandelslandschaft in Europa. An vorderster Front der letzten Tage stehen der Insolvenzantrag des Signa-Gründers René Benko sowie Updates zu prestigeträchtige Projekten wie dem Kaufhaus Lamarr auf der Wiener Mariahilfer Straße, dem Carsch-Haus in Düsseldorf, Premium-Immobilien in Berlin-Mitte sowie das Prestige-Projekt des Hamburger Elbtower, dessen Fertigstellungen aktuell in weite Ferne rücken. Die Insolvenz der Signa-Gruppe, einst Europas größter Immobilienkonzern, hat zu einem abrupten Stopp zahlreicher Bauprojekte geführt. Betroffen sind nicht nur hochkarätige Einzelhandelsstandorte, sondern auch das Stadtbild und die lokale Wirtschaft in den jeweiligen Regionen.

Kaufhaus Lamarr: Ein stillgelegtes Großprojekt in Wien
Im Herzen Wiens, auf der belebten Mariahilfer Straße, steht der Rohbau des Kaufhaus Lamarr, ein Sinnbild für die ambitionierten Pläne und die unerwarteten Stolpersteine der Immobilienwirtschaft. Laut dem Insolvenzantrag der Projektgesellschaft ist bereits ein signifikanter Teil des Bauvorhabens – zwischen 30 und 40 Prozent – abgeschlossen. Ebenfalls fertiggestellt sind die Vormontagen der haustechnischen Anlagen und Fördertechniken. Doch trotz dieses Fortschritts ist die Zukunft des Projekts ungewisser denn je, wie Der Standart berichtet. Das Kaufhaus Lamarr sollte ursprünglich eine neue Ära des Einzelhandels in Wien einläuten, mit Luxusboutiquen, einem Hotel und einer integrierten Tiefgarage. Die Baustelle, die seit kurz vor Weihnachten nicht mehr aktiv ist, ist nun ein weiteres stummes Zeugnis der finanziellen Turbulenzen, die René Benkos Immobilienimperium erschüttern.

Carsch-Haus in Düsseldorf: Ein unvollendeter Traum
Das Carsch-Haus, einst als neues Juwel der Düsseldorfer Innenstadt gepriesen, steht symbolisch für die gebrochenen Versprechen der Signa-Gruppe. Mit der Insolvenz von Signa und dem daraus resultierenden Baustopp wird das Projekt nicht vor 2026 fertiggestellt. Der thailändische Investor Central Group, der die Immobilie übernehmen wollte, sucht vergeblich nach weiteren Geldgebern. Der Düsseldorfer Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) bestätigt auf Anfrage der Rheinische Post: „Ich stehe im Austausch mit der Central Group, der Investor braucht mehr Zeit für die Akquise weiterer Partner als geplant.“

Berlin-Mitte: Verkauf einer Signa-Immobilie am Checkpoint Charlie
Die Veräußerung der Signa-Immobilie „F210“ in Berlin-Mitte an den bayrischen Projektentwickler Ehret+Klein markiert einen weiteren Meilenstein im Zuge der Konsolidierungsbemühungen. Das denkmalgeschützte Gebäude soll revitalisiert werden, um die Stadt Berlin zu bereichern. Der Verkauf unterstreicht die Notwendigkeit, zügig wertvolle Assets zu liquidieren, um die finanzielle Lage zu stabilisieren. „Es erfüllt uns mit Begeisterung, ‘F210’ in unser Portfolio aufzunehmen und so zur Bereicherung Berlins beizutragen, was es zu einem attraktiven Investment für unsere Anleger macht“, erklärte die Geschäftsführung gegenüber dem Tagesspiegel.

Elbtower in Hamburg: Suche nach einem Käufer beginnt
Für den Elbtower, der als krönender Abschluss der Hamburger Hafencity geplant war, beginnt nun die Suche nach einem neuen Investor. Der Stillstand der Baustelle seit Oktober verdeutlicht die gravierenden Auswirkungen der Signa-Insolvenz auf Großprojekte. Der Berliner Sanierungsexperte Torsten Martini, als Insolvenzverwalter eingesetzt, strebt einen schnellen und profitablen Verkauf an, um die Interessen der Gläubiger zu wahren. Martini beabsichtigt, den Elbtower „zu einem möglichst hohen Preis und so schnell wie machbar“ zu veräußern, wie der Stern unter Berufung auf DPA berichtet. „Jeder stillstehende Tag auf der Baustelle des Elbtowers führt zu finanziellen Verlusten.“

Insolvenzverfahren gegen René Benko als Einzelunternehmer
Für zahlreiche Schlagzeilen hat zudem der jüngste Insolvenzantrag des Signa-Gründers René Benko gesorgt. Das Innsbrucker Landesgericht hat das Konkursverfahren über Benkos Beratungsunternehmen sowie sein Privatvermögen eingeleitet. Dieses Verfahren betrifft nicht nur inländisches, sondern potenziell auch im Ausland befindliches Vermögen.

Benkos finanzielle Lage ist geprägt von einer verworrenen Struktur seines Vermögens. Obwohl er offiziell den Weg eines Konkursverfahrens wählte, was den Prozess der Entschuldung in die Länge ziehen könnte, bleibt ihm die Option, durch einen Sanierungsplan eine schnellere Lösung herbeizuführen. Dies würde allerdings voraussetzen, dass er den Gläubigern eine Mindestquote ihrer Forderungen anbieten kann – ein Unterfangen, das angesichts der hohen Schuldenlast und potenzieller persönlicher Haftungen für Signa-Verbindlichkeiten eine erhebliche Herausforderung darstellt. Die finanzielle Situation Benkos und die damit verbundenen rechtlichen Verfahren werfen zahlreiche Fragen auf. Von den Kunstwerken und Luxusimmobilien, die möglicherweise seinen Familienstiftungen zugeordnet werden können, bis hin zu den offenen Steuerschulden und internationalen Forderungen.

Fazit: Eine Zäsur für den Einzelhandel und die Immobilienwirtschaft
Die Insolvenz der Signa-Gruppe und die daraus resultierenden Verzögerungen und Verkäufe von Schlüsselprojekten markieren eine deutliche Zäsur. Die Auswirkungen reichen von lokalökonomischen Einbußen über veränderte Stadtbilder bis hin zu Unsicherheiten in der Immobilienbranche. Die Aufarbeitung und Neuausrichtung dieser Projekte wird die betroffenen Städte und den Einzelhandelssektor nachhaltig prägen.

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