NewsletterJetzt anmelden – Die wichtigsten Nachrichten einfach per E-Mail erhalten!

Signa-Update: Immobilien-Ausverkauf, Strafanzeigen und möglicher Elbtower-Neustart

Startseite und Übersicht des Immobilien-Portfolios von Signa
Foto: Signa

Die Insolvenz der Signa-Gruppe betrifft vor allem auch die beiden Immobiliengesellschaften Signa Prime Selection AG und Signa Development Selection AG. Die insolvente Signa Prime Selection AG, die als wichtigste Gesellschaft im Immobilienbereich von Signa gilt, ist auf die Investition und das langfristige Halten bekannter Immobilien in besten Innenstadtlagen fokussiert. Sie hält unter anderem die Warenhausimmobilien des KaDeWes in Berlin, des Alsterhauses in Hamburg, des Oberpollinger in München, das Carsch-Haus in Düsseldorf, Galeria-Häuser in München und Berlin sowie den im Bau befindlichen Elbtower in Hamburg.

Das ohnehin ambitionierte Projekt des Elbtowers, geplant als krönender Abschluss der östlichen Hamburger Hafencity, sieht – eigentlich – ein 245 Meter hohes Gebäude vor, das zum dritthöchsten Deutschlands avancieren sollte. Die Konzeption umfasst Büroflächen, Einzelhandelsgeschäfte, Galerien, Gastronomiebetriebe und eine öffentlich zugängliche Aussichtsplattform in der 55. Etage. Die geschätzten Baukosten belaufen sich auf 950 Millionen Euro. Seit Ende Oktober 2023 ist die Realisierung des Projekts ins Stocken geraten: Bei einer erreichten Höhe von 100 Metern stoppte das zuständige Bauunternehmen die Weiterführung der Arbeiten, da ausstehende Zahlungen nicht beglichen wurden.

Die Entwicklungen rund um den Elbtower in Hamburg nehmen nun womöglich eine dramatische Wendung, da der Hauptmieter, die Hamburg Commercial Bank (HCOB), seinen Auszug aus dem im Bau befindlichen Wolkenkratzer plant, wie T-Online berichtet. Dieser Schritt folgt auf die Insolvenzanmeldung der Elbtower GmbH, ebenfalls einer Tochtergesellschaft von Signa. Politik und Projektbeteiligte bringen nun Vorschläge ein, die eine deutlich geringere Endhöhe des Baus vorschlagen. Immobilienentwickler denken zudem über neue Möglichkeiten nach, die beispielsweise eine Umwandlung des Elbtowers in ein Wohnhaus in Betracht ziehen.

Die Signa Prime Selection trennt sich zudem von ihrer Beteiligung an der Signa Prime Assets GmbH. Letztere ist Eigentümerin einer Reihe prestigeträchtiger Immobilien in Österreich, darunter das Park Hyatt Hotel, das exklusive Einkaufsviertel Goldene Quartier in Wien, der Sitz des Verfassungsgerichtshofs in der Wiener Renngasse sowie das Kaufhaus Tyrol in Innsbruck – das Prestige-Objekt, mit dem René Benko in 2010 den Grundstein seines Immobilienimperiums legte. Darüber hinaus hatte Signa angekündigt, sich von wichtigen Immobilien-Beteiligungen im Ausland zu trennen, darunter dem Chrysler Building in New York City.

Die Tochtergesellschaft Signa Development Selection AG wiederum ist auf die Entwicklung von städtebaulichen Projekten im Wohn- und Gewerbesegment spezialisiert. Weitere damit verbundene Tochtergesellschaften, wie Signa REM Transactions und Signa Real Estate Management, sind ebenfalls von der Insolvenz betroffen.

Die Immobilien-Verstrickung von Signa reicht darüber hinaus tief in die Warenhausgesellschaften Galeria Karstadt Kaufhof und KaDeWe-Group, die beide ebenfalls Insolvenz anmelden musste. Zuletzt waren vor allem die hohen Mietzahlungen der KaDeWe-Group, in der Signa mit 49,9% noch der „Minderheitsgesellschafter“ ist, dem Unternehmen zum Verhängnis geworden und werden aktuell der Öffentlichkeit als die Ursache der Insolvenz präsentiert.

Neben ersten Verkäufen und Chaos bei aktuellen Bauprojekten hat nun auch eine Gruppe von Gläubigern der Signa Holding bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft in Österreich Strafanzeige eingereicht. Es wird verlangt, dass die Staatsanwaltschaft Zahlungsflüsse der Signa Development SE im Zeitraum vor deren Insolvenz Ende Dezember untersucht. Nach Berichten der Financial Times hegen die Gläubiger den Verdacht auf „rechtswidrige Transaktionen“. Es soll sich um die Überweisung von etwa 662 Millionen Euro von Signa Development an indirekt beteiligte Aktionäre oder verbundene Unternehmen handeln, für die es keinen wirtschaftlichen Grund gegeben habe.

Der Kollaps der Signa-Gruppe und die damit verbundenen Turbulenzen im Immobiliensegment zeichnen ein Bild tiefgreifender finanzieller und strategischer Herausforderungen für Insolvenzverwaltung, direkt beteiligte Manager und Immobilienentwickler. Während die Zukunft einiger der renommiertesten Adressen in Deutschland und Österreich ungewiss bleibt, öffnet die Krise gleichzeitig die Tür für Neubewertungen und strategische Neuausrichtungen. Der Rückzug der Hamburg Commercial Bank aus dem Elbtower-Projekt und die Überlegungen zur Umwandlung des Gebäudes spiegeln die Notwendigkeit wider, inmitten finanzieller Unsicherheiten flexibel zu reagieren.

Anzeige