Ein ehemaliger Verbraucherschützer der britischen Regulierungsbehörde Ofcom erhebt schwere Vorwürfe gegen Apple und Amazon. Die beiden US-Technologiekonzerne sollen über Jahre hinweg heimlich kooperiert haben, um unabhängige Händler vom Verkauf von Apple-Produkten auf der Plattform Amazon auszuschließen. Die Folge: Weniger Wettbewerb, weniger Rabatte und überhöhte Preise für Millionen britischer Kunden.
Die Sammelklage wurde am 15. Dezember vor dem britischen Wettbewerbstribunal eingereicht und fordert eine Entschädigung in Höhe von über 900 Millionen Pfund (rund 1,05 Milliarden Euro). Die Klage richtet sich gegen eine Vereinbarung aus dem Jahr 2018, die nicht nur Großbritannien, sondern auch Märkte wie die USA, Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Indien betraf.
Wettbewerbsverzerrung durch Exklusivabkommen
Demnach habe Apple unabhängigen Anbietern faktisch den Zugang zu Amazon verwehrt, während Amazon im Gegenzug bevorzugte Einkaufskonditionen für Apple-Produkte erhielt. Laut Klägerseite führte dies dazu, dass nahezu alle unabhängigen Apple-Händler auf Amazon verschwanden – und Verbraucher keine Preisalternativen mehr hatten. Besonders betroffen seien iPhones, iPads und MacBooks.
„Die Vereinbarung hält bis heute an und sorgt dafür, dass die Preise für Apple-Produkte künstlich hoch bleiben – zum Vorteil von Apple und Amazon, aber zum Nachteil der Kunden“, so die Klageschrift. Justin Le Patourel, ehemaliger Ofcom-Experte und heute als Vertreter der Klägergruppe JLP A&A aktiv, betont: „Verbraucher hatten keine Ahnung, dass hinter den Kulissen Deals liefen, die ihre Wahlfreiheit beschneiden und sie mehr zahlen lassen.“
Amazon unaufhaltsam
Amazon verteidigt sich – Apple schweigt
Amazon weist die Vorwürfe zurück und bezeichnet die Vereinbarung mit Apple als öffentlich bekannt und pro-wettbewerblich. Ein Sprecher erklärte gegenüber Silicon Republic, dass die Partnerschaft sicherstelle, dass Kunden seit 2018 zuverlässig originale Apple- und Beats-Produkte über Amazon erwerben können – zu attraktiveren Preisen und mit schneller Lieferung. Apple selbst äußerte sich bisher nicht.
Schon 2023 war eine ähnliche Klage vor dem Tribunal gescheitert. Dennoch gibt sich Le Patourel optimistisch, diesmal erfolgreich zu sein. Unterstützt wird die Klage von der auf Wettbewerbsrecht spezialisierten Kanzlei Hausfeld & Co. LLP. Anspruch auf Entschädigung haben alle britischen Kunden, die seit Oktober 2018 Apple- oder Beats-Produkte über Amazon gekauft haben – auch jene, die direkt bei Apple oder bei Einzelhändlern wie Curry’s eingekauft haben.


