Die Produktion der ikonischen Playmobil-Figuren in Deutschland ist Geschichte. Wie BILD berichtet, hat die Horst Brandstätter Group eine Woche vor der offiziellen Schließung des Werks in Dietenhofen bei Nürnberg die verbliebenen Beschäftigten freigestellt und die Fertigung eingestellt. Zum 30. Juni wird der Standort endgültig geschlossen. Rund 350 Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz.
Damit endet nach mehr als fünf Jahrzehnten die Herstellung der berühmten Kunststofffiguren in Deutschland. Künftig sollen die Produktionskapazitäten auf die bestehenden Werke in Malta und Tschechien konzentriert werden. Für den fränkischen Traditionshersteller markiert die Entscheidung einen tiefgreifenden Einschnitt – wirtschaftlich wie symbolisch.
Kostendruck zwingt zum Kurswechsel
Als Hauptgrund für die Verlagerung nennt das Unternehmen die im internationalen Vergleich hohen Produktionskosten am Standort Deutschland. Insbesondere gestiegene Lohn- und Energiekosten hätten die Wettbewerbsfähigkeit der Fertigung in Dietenhofen zunehmend belastet.
Die Entscheidung ist Teil eines umfassenden Restrukturierungsprogramms. Die Horst Brandstätter Group will die Marke Playmobil nach mehreren schwierigen Geschäftsjahren wieder auf Wachstumskurs bringen. Während die Produktion ins Ausland verlagert wird, sollen zentrale Unternehmensfunktionen in Deutschland verbleiben – darunter Produktentwicklung, Marketing, Vertrieb, Verwaltung und Logistik.
Für den Standort Deutschland bedeutet dies zwar keinen vollständigen Rückzug, dennoch verliert die Marke einen wesentlichen Teil ihrer industriellen Identität. Jahrzehntelang galt „Made in Germany“ als wichtiger Bestandteil des Playmobil-Erfolgsmodells.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Sinkende Nachfrage setzt Traditionsmarke unter Druck
Die Werksschließung ist Ausdruck einer Entwicklung, die sich seit Jahren abzeichnet. Playmobil kämpft mit verändertem Spielverhalten und einer zunehmend digitalen Freizeitwelt. Während Videospiele, Streaming und digitale Plattformen an Bedeutung gewinnen, geraten klassische Spielzeugkonzepte unter Druck.
Die Folge sind rückläufige Umsätze. Die Horst Brandstätter Group erzielte im Geschäftsjahr 2024/2025 einen Umsatz von 409 Millionen Euro – deutlich weniger als noch vor wenigen Jahren. Branchenbeobachter sehen die Marke seit längerem in einem schwierigen Transformationsprozess, bei dem neue Produktlinien, Lizenzkooperationen und modernisierte Spielwelten die Nachfrage beleben sollen.
Unternehmenschef Bahri Kurter hatte noch Anfang des Jahres jm Kontext der Vorstellung von Playmobil Hi! auf der Nürnberger Spielwarenmesse von positiven Signalen und einer möglichen Trendwende gesprochen. Umso größer war die Überraschung, als kurz darauf die Schließung des Werks angekündigt wurde.
Sozialplan soll Übergang erleichtern
Für die betroffenen Mitarbeiter wurde inzwischen ein Sozialplan vereinbart. Dieser umfasst Abfindungen sowie die Einrichtung einer Transfergesellschaft, die den Übergang in neue Beschäftigungsverhältnisse erleichtern soll. Die Horst Brandstätter Group betont gegenüber BILD, die Beschäftigten aktiv bei der beruflichen Neuorientierung unterstützen zu wollen. Bereits seit Frühjahr wurden Jobbörsen und Vermittlungsangebote organisiert, um den Betroffenen neue Perspektiven zu eröffnen.
Ob dies die wirtschaftlichen Folgen für die Region vollständig abfedern kann, bleibt jedoch offen. Dietenhofen verliert mit der Produktion einen wichtigen industriellen Arbeitgeber, während die Spielwarenbranche einen weiteren Schritt ihrer internationalen Verlagerung erlebt.
Ende einer Ära für die deutsche Spielzeugindustrie
Die Schließung des Werks hat weit über die Region hinaus Symbolkraft. Seit der Einführung der ersten Playmobil-Figur im Jahr 1974 entwickelte sich die Marke zu einem der bekanntesten deutschen Spielzeugexporte. Milliarden Figuren wurden verkauft und prägten Generationen von Kindern weltweit.
Mit dem Produktionsende in Dietenhofen bleibt Playmobil zwar ein deutsches Unternehmen, die Herstellung erfolgt künftig jedoch vollständig im Ausland. Für viele Beschäftigte und Branchenbeobachter markiert dies das Ende eines bedeutenden Kapitels der deutschen Spielzeugindustrie.
Die Herausforderung für die Unternehmensführung wird nun darin bestehen, die erhofften Kostenvorteile in nachhaltiges Wachstum umzuwandeln. Andernfalls könnte die Verlagerung zwar die Kosten senken, die strukturellen Probleme der Marke jedoch nicht lösen.


