Die Verwertung des insolventen Fahrradkonzerns Accell nimmt konkrete Formen an. Der niederländische Händler 12Go Biking übernimmt den verbliebenen Fahrradbestand von Accell Nederland mit Modellen der Marken Batavus, Sparta, Koga und Loekie. Über Kaufpreis und exakte Stückzahl wurde Stillschweigen vereinbart, nach Angaben von 12Go geht es jedoch um einige Zehntausend Fahrräder.
12Go wird zum Großverteiler für Accell-Räder
Für 12Go ist die Transaktion mehr als ein klassischer Restpostenkauf. Der Händler will die übernommenen Räder nicht nur über eigene Filialen und den Onlineshop verkaufen, sondern zugleich eine neue B2B-Plattform unter „tweewielerportal.nl“ aufbauen.
Darüber sollen professionelle Fahrradhändler insbesondere Modelle von Batavus, Sparta und Koga beziehen können. 12Go übernimmt damit vorübergehend eine Vertriebsfunktion, die zuvor bei Accell selbst lag.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Marken sind nicht Teil des Deals
Die Markenrechte werden ausdrücklich nicht mit dem Lagerbestand verkauft, wie SAZ Bike berichtet. Batavus, Koga, Haibike, Ghost, Winora, Lapierre, Raleigh, Babboe, Carqon und weitere Namen aus dem Accell-Portfolio bleiben Gegenstand separater Verkaufs- und Sanierungsprozesse.
Das Interesse ist groß: Mehr als 300 potenzielle Käufer wurden angesprochen, 103 erhielten Zugang zum Datenraum und rund 60 unverbindliche Angebote gingen laut Insolvenzbericht ein. Die Offerten reichen von einzelnen Marken bis hin zu größeren Paketen.
Vom Fahrradkonzern zum Verkaufsfall
Accell war über Jahrzehnte durch Zukäufe zu einem der größten europäischen Fahrradhersteller gewachsen. 2022 übernahm ein von KKR geführtes Konsortium den Konzern für rund 1,8 Milliarden Euro und nahm ihn von der Börse.
Nach dem Ende des Pandemiebooms belasteten Überbestände, Rabattschlachten und sinkende Nachfrage jedoch die gesamte Branche. Bei Accell kamen hohe finanzielle Verpflichtungen hinzu, sodass trotz Restrukturierungen und zusätzlicher Finanzierung im August 2026 die niederländischen Gesellschaften insolvent wurden.
Deutschland verfolgt eigenen Sanierungsweg
Die deutschen Accell-Gesellschaften sind nicht Teil der niederländischen Liquidation. Accell Germany, Winora Staiger, Ghost-Bikes und E. Wiener Bike Parts befinden sich in Eigenverwaltung und sollen eigenständig saniert werden.
Rund 370 Beschäftigte sind von den deutschen Verfahren betroffen. Ziel ist eine Investorenlösung, mit der unter anderem Haibike, Ghost, Winora und das Teilegeschäft aus dem bisherigen Konzernverbund herausgelöst werden könnten. Auch für Lapierre in Frankreich läuft ein separates Sanierungsverfahren.
Aufteilung des Konzerns wird wahrscheinlicher
Der Verkauf des niederländischen Lagerbestands zeigt, dass Accell zunehmend in einzelne Vermögenswerte und Geschäftseinheiten zerlegt wird. Für die Insolvenzverwalter bringt der Paketverkauf schnell Liquidität und reduziert zugleich das Risiko sinkender Fahrradwerte und hoher Lagerkosten.
Die hohe Zahl an Kaufinteressenten spricht zugleich dafür, dass viele Marken weiterbestehen könnten. Offen ist jedoch, unter welchen Eigentümern und in welcher Struktur Produktion, Vertrieb, Ersatzteilversorgung und Markenführung künftig organisiert werden.







