Amazon erwägt laut Berichten, seine langjährige Partnerschaft mit dem United States Postal Service (USPS) zu beenden und ein eigenes, landesweites Zustellnetz aufzubauen. Hintergrund sind offenbar ins Stocken geratene Vertragsverhandlungen, die sich durch politische Einflussnahme und neue strategische Pläne der US-Post zunehmend verkomplizieren.
Laut Informationen der Washington Post endet der aktuelle Vertrag zwischen Amazon und der USPS im Oktober 2026. Obwohl Amazon jährlich über sechs Milliarden Dollar (rund 5,6 Milliarden Euro) an die Post zahlt und damit rund 7,5 Prozent ihres Umsatzes sichert, könnte die Kooperation bald Geschichte sein. Die USPS will künftig Kapazitäten per Auktion versteigern und dadurch auch anderen Unternehmen Zugang gewähren – ein Schritt, der bei Amazon auf Überraschung stieß.
USPS plant Umstrukturierung des Geschäftsmodells
Postmaster General David Steiner verfolgt das Ziel, exklusive Großkundendeals durch ein offenes Auktionsverfahren zu ersetzen. Künftig sollen auch regionale Anbieter, stationäre Händler sowie kleine und mittelständische Unternehmen Zugang zu den postalischen Infrastrukturen erhalten. Amazon hingegen hatte auf eine Verlängerung des bestehenden Vertrags um vier Jahre gehofft, inklusive verbesserter Konditionen und höherem Versandvolumen.
Die geplante Umstellung bringt für Amazon erhebliche Unsicherheiten mit sich. Sprecher Steve Kelly erklärte, man wolle zwar die Partnerschaft fortführen, prüfe aber gleichzeitig alle Optionen, um die Lieferkette nicht zu gefährden. Bereits jetzt baut Amazon sein eigenes Zustellnetz aus – gestützt auf ein Heer von Subunternehmern und Gig-Workern.
Amazon unaufhaltsam
Folgen für den US-Paketmarkt und politische Dimension
Ein vollständiger Rückzug Amazons würde die USPS empfindlich treffen. Das staatliche Unternehmen verzeichnete allein im Geschäftsjahr 2025 ein Defizit von neun Milliarden Dollar. Die Paketdienste sind inzwischen lukrativer als der klassische Briefversand – und Amazon ist ihr wichtigster Kunde. Ein Verlust des Auftragsvolumens könnte einen massiven Einbruch bedeuten und strukturelle Reformen erzwingen.
Die Situation hat auch eine politische Komponente. Bereits in seiner ersten Amtszeit hatte Präsident Donald Trump Amazon scharf kritisiert und eine Privatisierung der USPS angestrebt. Der aktuelle Kurswechsel der Post könnte als Fortsetzung dieser Linie interpretiert werden. Währenddessen beraten Lobbygruppen und Abgeordnete laut Bericht über mögliche staatliche Hilfen, um das Geschäftsmodell der USPS zu sichern.
Amazon wiederum könnte als neue Konkurrenz zu USPS, UPS und FedEx auftreten. Mit seiner umfangreichen Infrastruktur und flexiblen Arbeitsverträgen hätte das Unternehmen gute Voraussetzungen, große Marktanteile zu übernehmen – zulasten bestehender Anbieter. Experten wie Elena Patel vom Brookings Institution sehen darin ein strukturelles Risiko für die öffentliche Postversorgung in den USA.


