Amazon hat im dritten Quartal 2026 einen Umsatz von 201,9 Milliarden US-Dollar erzielt. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht dies einem Wachstum von 12 Prozent. Besonders stark entwickelte sich das Cloudgeschäft Amazon Web Services (AWS), dessen Erlöse um 39 Prozent stiegen. Gleichzeitig verbesserte der US-Konzern seine operative Profitabilität deutlich.
Der operative Gewinn erhöhte sich um 61 Prozent auf 28,1 Milliarden Dollar. Die operative Marge erreichte mit 13,9 Prozent den höchsten Wert der Unternehmensgeschichte. Allerdings belasteten umfangreiche Investitionen in künstliche Intelligenz den freien Cashflow, der auf Zwölfmonatssicht deutlich ins Minus rutschte.
AWS wächst so schnell wie seit fast fünf Jahren nicht
Amazon Web Services erwirtschaftete im dritten Quartal einen Umsatz von 46 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Zuwachs von 39 Prozent und damit der höchsten Wachstumsrate seit nahezu fünf Jahren. Hochgerechnet auf ein Gesamtjahr erreicht das Cloudgeschäft inzwischen ein Umsatzvolumen von rund 184 Milliarden Dollar.
Auch die Profitabilität des Segments verbesserte sich erheblich. Das operative AWS-Ergebnis stieg von 11,4 auf 17,8 Milliarden Dollar. Damit erwirtschaftete die Cloudsparte rund 63 Prozent des gesamten operativen Konzerngewinns.
Wachstumstreiber sind insbesondere zusätzliche Rechenkapazitäten und KI-Dienstleistungen. Amazon meldete neue AWS-Vereinbarungen unter anderem mit Meta, NVIDIA, OpenAI, Salesforce und Oracle. Gleichzeitig nahm die Nutzung der KI-Plattform Amazon Bedrock deutlich zu.
Nach Unternehmensangaben stieg das über Bedrock verarbeitete Tokenvolumen gegenüber dem Vorjahr nahezu auf das 17-Fache. Bei Unternehmen aus der Fortune-500-Gruppe erhöhten sich die Ausgaben für den Inferenzdienst annähernd auf das Siebenfache.
Amazon unaufhaltsam
Onlinehandel wächst langsamer als das Cloudgeschäft
Das nordamerikanische Geschäft erzielte einen Umsatz von 112,9 Milliarden Dollar und lag damit 6 Prozent über dem Vorjahreswert. Der operative Gewinn stieg von 4,8 auf 8,7 Milliarden Dollar, was auf eine deutlich verbesserte Rentabilität hinweist.
International erhöhte Amazon den Umsatz um 5 Prozent auf 43,1 Milliarden Dollar. Ohne Wechselkurseffekte betrug das Wachstum 8 Prozent. Der operative Gewinn des internationalen Segments verbesserte sich von 1,2 auf 1,6 Milliarden Dollar.
Die Umsätze der eigenen Onlineshops stiegen konzernweit lediglich um 2 Prozent auf 68,5 Milliarden Dollar. Dabei beeinflusste die Verschiebung des Prime Day die Vergleichbarkeit: Während die Verkaufsaktion 2025 vollständig im dritten Quartal stattfand, wurde sie 2026 in den meisten großen Märkten bereits im zweiten Quartal durchgeführt.
Amazon beziffert den daraus resultierenden Effekt auf das konzernweite Umsatzwachstum auf rund vier Prozentpunkte. Ohne die Terminverschiebung wäre die Wachstumsrate entsprechend höher ausgefallen.
Die Dienstleistungen für externe Händler entwickelten sich dynamischer. Ihre Erlöse stiegen um 9 Prozent auf 46,5 Milliarden Dollar, während das Werbegeschäft um 11 Prozent auf 19,6 Milliarden Dollar zulegte.
Schnellere Lieferungen und Lebensmittelgeschäft gewinnen an Bedeutung
Amazon baut seine Handels- und Logistikinfrastruktur weiter aus. Im dritten Quartal wurden nach Unternehmensangaben mehr als 1,5 Milliarden Artikel für Prime-Mitglieder noch am Bestelltag oder über Nacht zugestellt. Damit erreichte der Konzern bei der Liefergeschwindigkeit einen neuen Höchstwert für ein drittes Quartal.
Auch der Schnelllieferdienst Amazon Now expandiert. Das Angebot ist inzwischen in mehr als 450 Städten und Gemeinden weltweit verfügbar. Die Zahl der darüber bestellten Artikel verzehnfachte sich gegenüber dem Vorjahr.
Ein weiterer Wachstumsschwerpunkt ist der Lebensmittelhandel. Frische Lebensmittel und Waren des täglichen Bedarfs wuchsen nach Konzernangaben etwa dreimal so schnell wie das übrige Handelsgeschäft. Zusammen machten diese Produktgruppen im dritten Quartal ungefähr die Hälfte aller verkauften Einheiten aus.
Parallel erweitert Amazon seine KI-Werkzeuge für Händler und Verbraucher. Der Einkaufsassistent Alexa for Shopping wurde innerhalb der vergangenen zwölf Monate von mehr als 400 Millionen Kunden genutzt. Mit über 100 zusätzlichen Funktionen können Nutzer unter anderem Einkaufslisten, Abonnements und Lieferanweisungen per Chat verwalten.
Für externe Verkäufer führte Amazon weitere automatisierte Arbeitsabläufe ein. Diese sollen beispielsweise die Bestandsplanung und Preisgestaltung unterstützen sowie die Verwaltung von Angeboten über mehrere Vertriebskanäle vereinfachen.
KI-Investitionen belasten den freien Cashflow
Die hohen Ausgaben für Rechenzentren und KI-Infrastruktur wirken sich zunehmend auf die Finanzkennzahlen aus. Zwar stieg der operative Mittelzufluss innerhalb der vergangenen zwölf Monate um 29 Prozent auf 168,3 Milliarden Dollar, der freie Cashflow entwickelte sich jedoch deutlich negativ.
Nach einem positiven Wert von 14,8 Milliarden Dollar im entsprechenden Vorjahreszeitraum verzeichnete Amazon zuletzt einen Mittelabfluss von 42,4 Milliarden Dollar. Ausschlaggebend waren vor allem erheblich gestiegene Investitionen in Sachanlagen, insbesondere für KI-Infrastruktur.
Die entsprechenden Nettoausgaben erhöhten sich innerhalb eines Jahres um 94,8 Milliarden Dollar. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet Amazon weiterhin zahlungswirksame Investitionsausgaben von rund 220 Milliarden Dollar.
Trotz der starken operativen Entwicklung ging der Nettogewinn im dritten Quartal leicht zurück. Er sank von 21,2 auf 20,7 Milliarden Dollar, während sich der verwässerte Gewinn je Aktie von 1,95 auf 1,89 Dollar verringerte.
Der Rückgang hängt insbesondere mit hohen Beteiligungsgewinnen aus der Anthropic-Investition zusammen, die das Vorjahresergebnis begünstigt hatten. Im dritten Quartal 2025 waren daraus Vorsteuergewinne von 9,5 Milliarden Dollar entstanden.
Amazon erwartet bis zu 247 Milliarden Dollar Umsatz im Weihnachtsquartal
Für das vierte Quartal 2026 prognostiziert Amazon einen Konzernumsatz zwischen 240 und 247 Milliarden Dollar. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspräche dies einem Wachstum von 12 bis 16 Prozent.
Der operative Gewinn soll zwischen 28,5 und 33,5 Milliarden Dollar liegen. Im entsprechenden Vorjahresquartal hatte Amazon 25 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Für das Werbegeschäft erwartet der Konzern im Schlussquartal ein wechselkursbereinigtes Wachstum im hohen Zehnprozentbereich.
Auch für AWS bleibt das Management zuversichtlich. Konzernchef Andy Jassy stellt für die Jahre 2027 und 2028 jeweils Umsatzwachstumsraten von mehr als 40 Prozent in Aussicht. Die Prognose unterstreicht die strategische Bedeutung des Cloud- und KI-Geschäfts für die weitere Entwicklung des Konzerns.
Gleichzeitig investiert Amazon in zusätzliche Handelsbereiche, darunter Lebensmittel, Pharmazie und autonome Zustellung. Für das bevorstehende Weihnachtsgeschäft plant das Unternehmen außerdem die Einstellung von mehr als 300.000 saisonalen, befristeten und unbefristeten Beschäftigten in den USA.
Die Quartalsergebnisse verdeutlichen damit die unterschiedlichen Wachstumsgeschwindigkeiten innerhalb des Konzerns. Während der klassische Onlinehandel moderat zulegt, entwickelt sich AWS zum wichtigsten Treiber des Umsatz- und Gewinnwachstums. Die entscheidende Herausforderung bleibt, die hohen KI-Investitionen langfristig in zusätzliche Erträge und einen wieder positiven freien Cashflow umzusetzen.


