Der Direktbezug von Arzneimitteln hat sich in deutschen Apotheken fest etabliert. Laut der aktuellen Ausgabe des Apothekenkonjunkturindex APOkix bestellen 99 Prozent der befragten Inhaber Arzneimittel nicht nur über den Großhandel, sondern auch direkt bei Herstellern oder über entsprechende Plattformen. Gleichzeitig zeigt die Befragung, dass viele Apotheken den Großhandel weiterhin klar bevorzugen.
Direktgeschäft hat deutlich an Bedeutung gewonnen
59 Prozent der Befragten geben an, dass der Direktbezug in den vergangenen zwei Jahren spürbar wichtiger geworden ist. Für die kommenden ein bis zwei Jahre erwarten 43 Prozent eine weitere deutliche Zunahme.
Direkt bestellt werden sowohl verschreibungspflichtige als auch frei verkäufliche Arzneimittel. Vergleichsweise selten erfolgt der Bezug bei Produkten mit höherem Handlingsaufwand, darunter Zytostatika, Impfstoffe und Betäubungsmittel.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Apotheken bevorzugen weiterhin den Großhandel
Trotz der hohen Verbreitung des Direktgeschäfts würden 91 Prozent der befragten Apotheken Arzneimittel nach eigenen Angaben lieber ausschließlich über den pharmazeutischen Großhandel beziehen. Viele sehen sich dazu jedoch nicht in der Lage, weil bestimmte Produkte zunehmend nur noch direkt vom Hersteller erhältlich seien.
Entsprechend hoch ist die Bedeutung des Großhandels aus Sicht der Apotheken. 92 Prozent halten ihn für unverzichtbar für die betriebliche Leistungsfähigkeit, 95 Prozent für unerlässlich zur Sicherung der Arzneimittelversorgung.
Großhandel punktet bei Aufwand, Flexibilität und Geschwindigkeit
Im direkten Vergleich erzielt der Pharmagroßhandel bei zahlreichen Leistungsmerkmalen deutlich bessere Zufriedenheitswerte. Beim Handlingsaufwand liegt die Zufriedenheit bei 96 Prozent gegenüber 50 Prozent beim Direktbezug. Beim Bestellaufwand lautet das Verhältnis 97 zu 52 Prozent, bei Bestell- und Lieferflexibilität 94 zu 56 Prozent.
Auch bei der Liefergeschwindigkeit schneidet der Großhandel mit 98 Prozent deutlich besser ab als der Direktbezug mit 62 Prozent. Bei Lieferzuverlässigkeit, -genauigkeit und -qualität liegt der Großhandel bei 96 Prozent, der Direktbezug bei 78 Prozent.
Direktbezug überzeugt bei Lieferfähigkeit und Rechnungstransparenz
In einzelnen Bereichen fällt die Bewertung zugunsten des Direktgeschäfts aus. Bei der Lieferfähigkeit erreicht der Direktbezug 86 Prozent Zufriedenheit und liegt damit vor dem Großhandel mit 78 Prozent.
Besonders groß ist der Abstand bei der Transparenz der Rechnungen. Hier kommen Direktbestellungen auf 91 Prozent Zustimmung, der Großhandel dagegen nur auf 40 Prozent. Ob mögliche Preisvorteile den zusätzlichen Prozess- und Lageraufwand tatsächlich kompensieren, wird dennoch von vielen Apotheken bezweifelt. 65 Prozent zeigen sich bei dieser Frage unsicher.
Geschäftslage verbessert sich, Erwartungen trüben sich ein
Beim aktuellen Geschäftsklima zeigt sich ein gemischtes Bild. Der Index zur gegenwärtigen Geschäftslage steigt im September von 76,5 auf 81,6 Punkte. Gleichzeitig fällt der Index der Geschäftserwartungen für die kommenden zwölf Monate um 9,2 Punkte auf 69,4 Punkte.
Damit verbessert sich die kurzfristige Einschätzung, während die Erwartungen an die weitere Entwicklung deutlich zurückhaltender ausfallen.




