Deutschland verliert zunehmend an Attraktivität für ausländische Investoren. Eine aktuelle Analyse von EY zeigt, dass die Zahl neuer Investitionsprojekte erneut deutlich gesunken ist und sich damit ein langjähriger Negativtrend weiter verstärkt.
Deutlicher Rückgang bei Investitionsprojekten
Im Jahr 2025 sank die Zahl ausländischer Investitionsprojekte in Deutschland um zehn Prozent auf nur noch 548 Vorhaben. Damit wurde der niedrigste Stand seit 2009 erreicht. Besonders kritisch: Es handelt sich bereits um den achten Rückgang in Folge. Seit dem Höchststand im Jahr 2017 hat sich die Zahl der Projekte insgesamt mehr als halbiert.
Auch europaweit zeigt sich eine rückläufige Entwicklung. Die Zahl der Investitionsprojekte ging um sieben Prozent zurück. Dennoch fällt der Rückgang in Deutschland im Vergleich zu anderen großen Standorten besonders stark aus.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Deutschland verliert im europäischen Wettbewerb
Im europäischen Standortvergleich liegt Deutschland weiterhin hinter Frankreich und Großbritannien. Während auch diese Länder Rückgänge verzeichnen, entwickeln sich andere Märkte dynamischer: Spanien und die Türkei konnten ihre Investitionszahlen zuletzt steigern.
Als wichtigste Investoren bleiben US-Unternehmen dominierend. In Deutschland stieg die Zahl der US-Investitionen sogar leicht an, während chinesische Aktivitäten rückläufig waren. Damit haben US-Konzerne ihre Spitzenposition zurückerobert.
Strukturelle Probleme bremsen Investitionen
Experten sehen die Ursachen vor allem in strukturellen Herausforderungen des Standorts. Hohe Steuerbelastung, steigende Arbeitskosten, teure Energie und bürokratische Hürden gelten als zentrale Hemmnisse. Gleichzeitig wird Deutschland eine mangelnde Reformdynamik attestiert, während andere Länder ihre Rahmenbedingungen gezielt verbessert haben.
Diese Faktoren haben das internationale Image des Standorts nachhaltig geschwächt. Deutschland verliert damit nicht nur kurzfristig Investitionen, sondern auch langfristig an Wettbewerbsfähigkeit.
Rückgang auch bei deutschen Auslandsinvestitionen
Nicht nur ausländische Investitionen gehen zurück – auch deutsche Unternehmen investieren deutlich weniger im Ausland. Die Zahl entsprechender Projekte sank um 24 Prozent und markiert damit den stärksten Einbruch seit Beginn der Erhebung.
Grund dafür ist vor allem der steigende Kostendruck, der viele Unternehmen dazu zwingt, Investitionen zu verschieben oder zu reduzieren. Dies gefährdet langfristig die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen.
Verteidigungssektor entwickelt sich dynamisch
Ein gegenläufiger Trend zeigt sich im Verteidigungssektor. Hier stieg die Zahl der Investitionsprojekte europaweit deutlich an. Auch Deutschland verzeichnete ein Plus, bleibt im europäischen Vergleich jedoch im Mittelfeld.
Besonders stark engagieren sich in diesem Bereich US-Unternehmen. Gleichzeitig bauen auch deutsche Firmen ihre Investitionen im Ausland aus und zählen zu den wichtigsten Akteuren in diesem Segment.



