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Generationswechsel bei der Otto Group: Benjamin Otto übernimmt ab März

Benjamin Otto und Dr Michael Otto
Foto: Otto Group

Key takeaways

Benjamin Otto übernimmt 2026 die Hauptverantwortung für die Otto Group. Mit dem Generationswechsel endet die Ära der großen Unternehmerpersönlichkeit von Dr. Michael Otto, der den Konzern global geprägt hat.

Lesezeit ca. 3 Minuten

Zum 1. März 2026 geht bei der Otto Group eine unternehmerische Epoche zu Ende: Benjamin Otto übernimmt die Hauptverantwortung für den internationalen Handels- und Dienstleistungskonzern und folgt damit seinem Vater, Prof. Dr. Michael Otto. Der Übergang markiert den sorgfältig vorbereiteten Generationswechsel innerhalb des Familienunternehmens und leitet eine neue Phase strategischer Weiterentwicklung ein.

Neue Verantwortung in den Kontrollgremien

Benjamin Otto wird künftig den Vorsitz des Stiftungsrats der mehrheitlich beteiligten Michael Otto Stiftung sowie des Gesellschafterrats übernehmen. Diese Gremien definieren und überwachen laut Otto Group die langfristige strategische Ausrichtung des Konzerns. Der 50-Jährige ist seit vielen Jahren unternehmerisch aktiv, hat Unternehmen in den Bereichen Handel, Elektrotechnik, Fashion und Projektentwicklung aufgebaut und spielte eine maßgebliche Rolle bei der Entstehung von About You aus dem E-Commerce-Start-up Collins. Seit 2015 wirkt er als gestaltender Gesellschafter im Aufsichtsrat und als Stellvertretender Vorsitzender des Stiftungs- und Gesellschafterrats.

Mit der Übernahme der Hauptverantwortung möchte Benjamin Otto den Konzern technologisch weiterentwickeln und seine Widerstandsfähigkeit in einer Welt wirtschaftlicher Unsicherheiten steigern. Die Agenda 2030 soll fortgeführt und durch stärkeren Fokus auf Digitalisierung, AI-Lösungen sowie ein leistungs- und technologieorientiertes, gleichzeitig menschliches Unternehmensverständnis ergänzt werden.

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Strategieteam und neue Kompetenzträger

Parallel zum Generationswechsel stärkt die Otto Group ihre Führungsstrukturen. Ab März 2026 rücken mehrere neue Mitglieder in den Gesellschafterrat: Elisabeth L’Orange von Deloitte, Tech-Investor Florian Heinemann sowie Benjamin Schaper von der GFH. Im Aufsichtsrat folgen Sergio Bucher, der altersbedingt aus dem Vorstand ausscheidet, und Janina Lin Otto, die ihre Expertise aus mehreren gesellschaftlich und technologisch ausgerichteten Initiatives einbringt. Gemeinsam mit Vorstandschefin Petra Scharner-Wolff und Aufsichtsratschef Alexander Birken soll so ein breit aufgestelltes Führungsteam entstehen, das die Transformation des Konzerns vorantreibt.

Benjamin Otto betont, dass langfristiger Erfolg und nachhaltiger Impact weiterhin Vorrang vor kurzfristigen Renditezielen haben werden. Die Kombination aus technologischem Fortschritt, wirtschaftlicher Stabilität und gemeinschaftlicher Unternehmensführung soll die Otto Group in eine neue, stärker digital geprägte Phase führen.

Michael Otto – ein Unternehmer prägt über Jahrzehnte den deutschen Handel

Mit dem Generationswechsel endet eine außergewöhnliche Ära. Michael Otto hat das Familienunternehmen in 55 Jahren maßgeblich verändert. Unter seiner Führung entwickelte sich der einstige Otto-Versand zu einer global agierenden Handels- und Dienstleistungsgruppe mit heutigen Umsätzen von rund 15 Milliarden Euro und mehr als 35.000 Mitarbeitenden. Seine Arbeit verband wirtschaftlichen Erfolg stets mit gesellschaftlicher Verantwortung, was ihm breite Anerkennung in Wirtschaft und Politik einbrachte.

Geboren 1943 im damaligen Kulm und nach dem Zweiten Weltkrieg in Hamburg aufgewachsen, war sein beruflicher Weg früh von Unternehmergeist geprägt. Nach einer Banklehre und dem Studium der Volkswirtschaft engagierte er sich zunächst in der Finanzvermittlung, bevor er 1971 in das Familienunternehmen eintrat. Als jüngstes Vorstandsmitglied brachte er neue Perspektiven ein und legte den Grundstein für die internationale Ausrichtung des Konzerns.

Zwischen 1981 und 2007 leitete Michael Otto die Gruppe als Vorstandsvorsitzender und trieb die Globalisierung energisch voran. Er erschloss neue Märkte, entwickelte bestehende Geschäftsmodelle weiter und investierte in wachstumsstarke Regionen. Bis 2025 war er zudem Vorsitzender des Aufsichtsrats und blieb so zentraler Gestalter der Unternehmensstrategie.

Frühe Digitalisierung und nachhaltige Unternehmensführung

Besonders prägend war Michael Ottos frühe Hinwendung zur Digitalisierung: Bereits Mitte der 1990er-Jahre baute er systematisch den E-Commerce aus und positionierte die Otto Group als einen der führenden Onlinehändler Europas. Die Plattform otto.de wurde zu einem verantwortungsorientierten Marktplatz, auf dem heute tausende Händler vertreten sind.

Gleichzeitig war er einer der ersten deutschen Unternehmer, die Nachhaltigkeit als Basis wirtschaftlichen Handelns verstanden. Seit den 1980er-Jahren führte er Umweltmanagementsysteme ein, setzte auf ökologische Produkte und förderte Sozial- und Umweltstandards, lange bevor der Begriff „Nachhaltigkeit“ in der Unternehmenswelt breite Bedeutung gewann.

Engagement über das Unternehmen hinaus

Michael Otto ist zudem Stifter zahlreicher Initiativen – darunter die Umweltstiftung Michael Otto, die Stiftung KlimaWirtschaft oder die Aid by Trade Foundation mit der Initiative Cotton Made in Africa. Seine Projekte zur Förderung von Jugend, Kultur und Bildung haben Hamburg nachhaltig geprägt. Mit der 2024 gegründeten Michael Otto Foundation for Sustainability möchte er weiterhin Impulse für Demokratie, Umwelt- und Artenschutz setzen.

Auch nach dem Rückzug aus den unternehmerischen Gremien wird er im gesellschaftspolitischen Raum aktiv bleiben, insbesondere über die Stiftung KlimaWirtschaft und die von ihm mit initiierte Hamburg Sustainability Conference.

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