Die Stimmung im deutschen Großhandel hat sich im Sommer 2026 verbessert. Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen hebt seine Wachstumsprognose für das laufende Jahr auf 0,8 Prozent an. Gleichzeitig bleibt die Branche nach Einschätzung des Verbandes von schwachen Umsätzen, hohen Kosten und zurückhaltenden Investitionen geprägt.
Klimaindikator steigt auf 84,4 Punkte
Der BGA-Klimaindikator erhöhte sich zur Jahresmitte von 70,6 auf 84,4 Punkte. Damit fällt die Stimmung deutlich besser aus als zum Jahreswechsel 2025/26, bleibt bei einem Wert unter 100 Punkten aber weiterhin überwiegend pessimistisch.
Besonders stark verbesserte sich die Lage im Produktionsverbindungshandel. Dort stieg der Indikator von 68,6 auf 88,7 Punkte, während Konsumgüter- und baunaher Großhandel jeweils lediglich 74,9 Punkte erreichten.
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Reale Umsätze entwickeln sich weiter schwach
Preisbereinigt legten die Umsätze im ersten Halbjahr 2026 laut Verband lediglich um 1 Prozent zu. Für das Gesamtjahr erwartet der BGA real ein Ergebnis leicht unter dem Vorjahresniveau.
Zusätzliche staatliche Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur stabilisieren aus Sicht des Verbandes zwar die Konjunktur, hätten bei vielen Großhändlern bislang aber nur begrenzte direkte Effekte ausgelöst. Einen durch höhere private Investitionen getragenen Aufschwung sieht der BGA derzeit noch nicht.
Beschäftigungsabbau setzt sich fort
Die Unternehmen bleiben bei Neueinstellungen zurückhaltend. 47 Prozent der befragten Betriebe rechnen für das zweite Halbjahr 2026 mit unveränderter Beschäftigung, 19 Prozent planen zusätzliche Stellen.
Demgegenüber wollen 34 Prozent Personal abbauen. Damit ist der Anteil der Unternehmen mit Abbauplänen deutlich größer als der Anteil jener, die ihre Belegschaften vergrößern möchten.
Mittelstand fordert steuerliche Entlastungen
Der BGA verbindet die Umfrageergebnisse mit Forderungen nach weniger Bürokratie, geringeren Belastungen und besseren Bedingungen für private Investitionen. Besonders Personenunternehmen sehen sich nach Darstellung des Verbandes steuerlich gegenüber Kapitalgesellschaften benachteiligt.
Als Reformfelder nennt der Verband unter anderem Rechtsformneutralität, Thesaurierungsbegünstigung, Körperschaftsteueroptionen und einfachere Regelungen bei Unternehmensumwandlungen. Diese Forderungen entsprechen der wirtschaftspolitischen Position des BGA und sind von den erhobenen Konjunkturdaten zu unterscheiden.
Unternehmen passen Lieferketten und Geschäftsmodelle an
Nach Einschätzung des Verbandes reagieren viele Großhändler auf die schwierigen Rahmenbedingungen mit neuen Märkten, diversifizierten Lieferketten und veränderten Geschäftsmodellen. Die verbesserte Stimmung führt der BGA deshalb nicht allein auf die Konjunkturentwicklung zurück.
Trotz des Anstiegs des Klimaindikators bleibt das Gesamtbild verhalten. Die Kombination aus schwacher realer Umsatzentwicklung, Kostendruck und geplanten Stellenkürzungen zeigt, dass die Erholung im Großhandel bislang begrenzt ist.




