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Datenschutz: 9 von 10 Unternehmen wollen Reform der DSGVO

DSGVO vor einer Tastatur geschrieben
Foto: depositphotos.com

Key takeaways

Fast alle Unternehmen fordern eine Reform der DSGVO. Besonders Dokumentationspflichten, Rechtsunsicherheit und Datenschutzprüfungen bei KI belasten die Wirtschaft und bremsen nach eigenen Angaben jedes zweite Unternehmen.

Lesezeit ca. 2 Minuten

Die deutsche Wirtschaft fordert eine umfassende Reform der Datenschutz-Grundverordnung und der Datenschutzaufsicht. In einer repräsentativen Bitkom-Befragung unter 605 Unternehmen ab 20 Beschäftigten halten 90 Prozent eine Reform der DSGVO für notwendig, 41 Prozent sogar für sehr notwendig. Bei der Datenschutzaufsicht sehen 93 Prozent Reformbedarf.

Besonders kritisch bewerten die Unternehmen den wachsenden Aufwand und die anhaltende Rechtsunsicherheit. 92 Prozent bezeichnen die Belastung durch Datenschutz als hoch, 42 Prozent sogar als sehr hoch. In 71 Prozent der Unternehmen hat der Aufwand im vergangenen Jahr weiter zugenommen.

Dokumentationspflichten verursachen den größten Aufwand

Am häufigsten nennen Unternehmen die Dokumentation von Verarbeitungstätigkeiten als Belastung. 84 Prozent sehen darin den größten Aufwand. Es folgen die Klärung rechtlicher Anforderungen mit 68 Prozent, die technische Umsetzung mit 65 Prozent und Informationspflichten mit 61 Prozent.

Gleichzeitig verschlechtert sich die grundsätzliche Bewertung der DSGVO. 88 Prozent sagen, sie mache Geschäftsprozesse komplizierter. 76 Prozent halten die Anwendung durch deutsche Datenschutzbehörden für zu streng. Nur noch 61 Prozent erklären, die Datensicherheit im eigenen Unternehmen habe sich durch die DS-GVO verbessert.

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Unternehmen kritisieren Rechtsunsicherheit und Aufsicht

88 Prozent der befragten Unternehmen beklagen Unsicherheit über die konkreten Datenschutzvorgaben. 83 Prozent sagen, die Umsetzung sei praktisch nie abgeschlossen, weil fortlaufend auf neue rechtliche Entwicklungen reagiert werden müsse. 61 Prozent kritisieren zudem eine unzureichende Beratung durch die Aufsichtsbehörden.

Auch die Zusammenarbeit mit den Behörden sorgt für Unzufriedenheit. 37 Prozent haben in den vergangenen zwei Jahren Unterstützung angefragt, ohne eine Antwort zu erhalten. Von den Unternehmen, die Hilfestellung bekommen haben, wird diese im Durchschnitt mit der Schulnote 2,9 bewertet.

Mehrheit fordert zentralere Datenschutzaufsicht

Von den Unternehmen mit Reformwunsch sprechen sich 85 Prozent für eine stärkere Zentralisierung der Datenschutzaufsicht in Deutschland aus. 80 Prozent wünschen sich eine Zentralisierung auf EU-Ebene und 82 Prozent eine bessere Abstimmung zwischen den Behörden.

Besonders gefragt sind zudem eine zentrale Datenbank für Behördenentscheidungen, einheitliche Meldeprozesse sowie schnellere Antworten auf Anfragen. Bei der DS-GVO selbst sehen 89 Prozent das größte Entlastungspotenzial in weniger Dokumentationspflichten bei risikoarmen Verarbeitungen.

Datenschutz bremst jedes zweite Unternehmen beim KI-Einsatz

Mit dem zunehmenden Einsatz von Künstlicher Intelligenz verschärfen sich die Probleme zusätzlich. 79 Prozent sind der Ansicht, dass der Datenschutz an das KI-Zeitalter angepasst werden müsse. 78 Prozent berichten, dass Datenschutzprüfungen bei KI-Projekten immer aufwendiger werden.

72 Prozent bezeichnen Datenschutz beim KI-Einsatz als wichtiges Thema im eigenen Unternehmen, 56 Prozent fühlen sich bei entsprechenden Fragen häufig überfordert. Besonders deutlich ist der unmittelbare Geschäftseffekt: 50 Prozent sagen, dass Datenschutz den Einsatz von KI im eigenen Unternehmen behindert.

Datenschutzbedenken beeinflussen Technologieauswahl

Auch bei anderen Technologien wirken Datenschutzfragen auf Investitionsentscheidungen. 42 Prozent der Unternehmen haben aus Datenschutzgründen bereits auf Lösungen aus Ländern außerhalb der EU verzichtet, 19 Prozent sogar mehrfach. Besonders häufig betroffen sind Anbieter aus China und den USA.

Bitkom fordert deshalb keine Abschaffung von Datenschutzregeln, sondern stärker risikobasierte und einheitliche Vorgaben. Aus Sicht des Verbands könnten weniger Pflichten bei risikoarmen Anwendungen, eine konsistentere Auslegung und eine bessere Verzahnung von Datenschutz- und KI-Regulierung Unternehmen entlasten, ohne das Schutzniveau grundsätzlich abzusenken.

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